Aktuelle Ausgabe
2012-20

Zweiter Jakobsweg für Westfalen eröffnet – Trasse ist 200 Kilometer lang

Die Muschel weist den Weg

Das Pilgern erfreut sich immer grösserer Beliebtheit. Da trifft es sich gut, dass der LWL nun eine 200 Kilometer lange Trasse von Höxter nach Bochum als Jakobsweg ausgewiesen hat. Foto: LWL

Soest (lwl/rtl). Viele Wege führen nach Santiago de Compostela. Doch diese zu finden, gestaltet sich für die Pilger mitunter, zumindest in Deutschland, recht schwierig. Nicht so in Soest. Dort wurde nun der zweite durchgehende Weg der Jakobspilger nach historischem Vorbild feierlich eröffnet. Auf 200 Kilometern Länge führt er von Höxter über Paderborn, Soest und Dortmund nach Bochum.

Es ist bereits die zweite Wegstrecke, die die Altertumskommission für Westfalen im Auftrag des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) erforscht hat. Führte der erste Teil von Osnabrück nach Wuppertal galt es nun, den alten Hellweg zunächst wissenschaftlich zu erforschen und dann als Pilgerweg mithilfe der charakteristischen Jakobsmuschel (europaweit gelb auf blauem Grund) auszuschildern.
Die Trasse führt vom Startpunkt Kloster Corvey über Höxter, Brakel, Bad Driburg, Paderborn, Salzkotten, Geseke, Erwitte, Soest, Werl, Unna, Dortmund bis nach Bochum. Dort wird der Landschaftsverband Rheinland (LVR) die Pilgerroute über Essen, Düsseldorf und Neuss nach Aachen weiterführen.
Der neue Pilgerweg ist nach Angaben von Projektleiterin  Ulrike Spichal weitgehend an historisch belegte Wegführungen angelehnt. Spichal: „Wir haben Reste von Hohlwegen gefunden, die sich durch die schweren Fuhrwerke ins Gelände eingegraben hatten und können uns auf einzelne Ausgrabungsergebnisse der Hellwegtrasse stützen, so zum Beispiel im Bereich Paderborn-Balhorn und Dortmund.“ Auch die Wachtürme an den Landwehrdurchlässen zum Beispiel in Paderborn und Erwitte (Lohner Warte) sind Zeugnisse der alten Wegetrasse.
Dass auch tatsächlich Pilger den Hellweg benutzten, zeigen zahlreiche Funde von verlorenen Pilgerzeichen, nicht nur Jakobsmuscheln, sondern auch Zeichen anderer Wallfahrtsorte, die zum Teil auf dem Weg nach Santiago lagen. In der Probsteikirche zu Werl fanden sich gleich drei Pilgergräber, die durch die Jakobsmuschel erkennbar waren.
Auch Hinweise auf Unterkünfte für mittelalterliche Pilger fanden sich in einigen Hellwegstädten: In dem noch heute bestehenden Pilgrim-Haus in Soest zum Beispiel, das direkt am Jakobitor mit gleichnamiger Kapelle lag, fanden Pilger bereits seit 1309 Unterkunft. In Dortmund, dem Kreuzungspunkt des Hellweges mit der Nord-Süd-Strecke, befand sich seit dem 14. Jahrhundert ein Gasthaus, das sich der Unterbringung armer Pilger angenommen hat.
Überregional bedeutende Kultstätten konnten die Wegewahl mittelalterlicher Pilger durchaus beeinflussen. So werden zum Beispiel die Reliquien des heiligen Vitus in Corvey sowie die des heiligen Liborius in Paderborn durchaus auch Jakobspilger angezogen haben. Ankunft in Santiago und Rückkehr nach Hause waren bei den damaligen Verhältnissen durchaus nicht gewährleistet, sodass es wichtig war, auf dem Weg immer wieder für einen guten Verlauf des weiteren Weges zu beten.
Zwei weitere Strecken in Westfalen – von Minden über Herford und Bielefeld nach Lippstadt (2011/12) und von Warendorf über Münster und Coesfeld an den Niederrhein (2013/14) – sind die nächsten Projekte der Altertumskommission für Westfalen, so ihr Vorsitzender Prof. Dr. Torsten Capelle. Das Projekt wolle die mittelalterlichen Wege und die Spuren der Jakobspilger in Westfalen möglichst genau rekonstruieren: „Es gab für die Pilger in Westfalen und anderswo keine eigenen Wege, im Gegenteil: Sie suchten aus Angst vor Überfällen stark frequentierte, bekannte Trassen.“


22.05.2012
Impressum | Kontakt
4002