Aktuelle Ausgabe
2012-20

Der aus Arnsberg stammende Erzbischof Karl Hesse errichtete zwei Bischofskirchen in Neuguinea

Die Muschel-Kathedrale

Rund 1200 Menschen fasst die nach dem Vorbild einer Muschel errichtete Kathedrale in Vunapope, die der aus Arnsberg stammende Erzbischof von Rabaul, Karl Hesse ( jetzt einweiht. Architektin ist Ildikó von Ketteler-Boeselager. Heinz Rosen, der sich mit dem Freundeskreis intensiv für den Bau der Kathedrale einsetzte, starb vor zwei Wochen

Arnsberg/Vunapope. Es ist schon seine zweite Kathedrale: Der aus Arnsberg-Voßwinkel stammende Erzbischof von Rabaul in Papua-Neuguinea weiht am Montag, 29. September, die neue Kathedrale von Vunapope ein. Erbaut wurde sie mit Hilfe aus Arnsberg und vom Erzbistum Paderborn, das neben Geld auch zwei Fenster spendete. Seine erste Kathedrale hatte Erzbischof Hesse 1987 als Diözesanbischof von Kavieng konsekriert.

von Markus Jonas

Die Einweihung fällt genau auf den Tag an dem die ersten Herz-Jesu-Missionare, zu denen Erzbischof Hesse gehört, 1881 nach Neuguinea kamen. Nur einen Tag nach der Konsekrierung feiert Hesse sein 30-jähriges Jubiläum als Bischof. Die Festpredigt dazu hält der ehemalige Generalvikar des Erzbistums Paderborn, Prälat Bruno Kresing.
Die ungewöhnliche Muschel-Form der Kathedrale entworfen hat die Arnsberger Architektin Ildikó von Ketteler-Boeselager – eine „gewagte, aber großartige Idee“ bescheinigt ihr Erzbischof Hesse. 2004/2005 nutzten sie und ihr Mann eine dreimonatige Auszeit, um Erzbischof Hesse, einem Schulfreund des Vaters, zu helfen. Nur wie, war zunächst nicht klar, bis dem Erzbischof einfiel, dass die Diözese eine neue Kathedrale in Vunapope braucht. Die alte war der provisorische Umbau einer alten Flugzeughalle. Dorthin war der Bischofssitz gewechselt, nachdem die eigentliche Kathedrale in Rabaul 1994 bei der Zerstörung der Stadt duch eine Serie von Vulkanausbrüchen vernichtet worden war. An den 14. Jahrestag zweier Vulkanausbrüche wurden die Einwohner übrigens erst am 19. September bei einem erneuten schweren Ausbruch erinnert, berichtete Erzbischof Hesse dem DOM per E-Mail. Weiter lobte er, ohne „Frau Ildikó wäre die Kathe­drale zu dieser Zeit wohl nicht gebaut worden“.  
Der Architektin war bei einem Spaziergang am Strand die zündende Idee gekommen, als sie eine große Muschel fand. „Es klingt kitschig, aber es war wirklich so“, erzählt sie lachend. „Das war fast so etwas wie Fügung.“ Das Dach der Kathedrale ahmt nun den welligen Verlauf der Muschel nach. Die sieben Segmente symbolisieren dabei die sieben Sakramente. Darstellungen der Sakramente wurden in Eisenplatten geschnitten und schmücken die Eingänge. Bei der Einweihung „ihrer“ Kathedrale wollte Ildikó von Ketteler-Boeselager unbedingt dabeisein. Doch die Schwangerschaft mit ihrem dritten Kind verhindert das nun.
Rund 600000 Euro hat die Kathedrale gekostet, deren Baumeister übrigens ein Siegerländer ist: Werner Arns aus Netphen. Mehr als 35000 Euro hat der Arns­berger Freundeskreis des Erzbischofs beigetragen. Doch tragischerweise sind zwei Hauptstützen des Kreises in diesem Jahr verstorben – im Juni Alfons Hesse, der Bruder des Erzbischofs, und vor zwei Wochen Heinz Rosen, der auch im Arnsberger Franz-Stock-Komitee aktiv war. „Tolle Männer“ seien das gewesen, sagt Ildikó von Ketteler-Boeselager.


22.05.2012
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