Kommentar
Die Kinder Kinder sein lassen
von Andreas Wiedenhaus
Deutschlands Kinder spielen immer weniger. Nicht, dass sie es verlernt hätten – ihnen fehlt die Zeit. Mehr als jedes dritte Kind zwischen sechs und zwölf Jahren beschwert sich darüber, nicht mehr zum Spielen zu kommen. Das hat ein Marktforschungsinstitut herausgefunden. Danach beherrschen Ballett- und Tennisstunden, Fußballtraining und Klavierunterricht sowie jede Menge Hausaufgaben den Terminkalender der Kinder.
Ein trauriges Ergebnis: Bereits der Alltag der Kleinsten ist verplant. Natürlich dienen alle Aktivitäten dazu, die Kinder zu fördern. Doch tun sie das wirklich? Den „Schwarzen Peter“ allein den Eltern zuzuschieben, nach dem Motto: „Die sind heute alle viel zu ehrgeizig“, wäre allerdings verlogen: Genauso beteiligt sind diejenigen, die diese Eltern direkt oder indirekt unter Druck setzen. Wenn bestimmte Pädagogen und Politiker ihnen weiß machen wollen, dass schon im Kindesalter „keine Zeit zu verlieren“ ist, damit später auch die richtige Karriere angepeilt werden kann, dann darf man sich über Eltern, die „nur das Beste wollen“, nicht wundern.
Dabei widersprechen sich spielen und lernen gar nicht: Beim Spiel lernen die Kleinen jede Menge. Auch wenn das nicht immer in den üblichen Kategorien „messbar“ ist. Kinder entdecken beim Spielen Dinge, die so manchem „Experten“ zwar verschlossen bleiben, die aber dennoch wichtig sind. Ohne Zweck – „einfach so“. Das können viele Erwachsene offensichtlich einfach nicht mehr nachvollziehen.
Und: Nur Kinder, die ohne vorgegebenes Ziel einfach das tun dürfen, was ihnen Spaß macht, dürfen wirklich „Kind sein“.






