Gedanken zum Evangeliuim
Die Jesusfrage: Was wollt ihr?
Jesus kann helfen; deshalb wenden sich die Menschen an ihn. Doch, so betont Pfarrer Wolfgang Dembski aus Dortmund, er hilft nicht, indem er einfach alle Wünsche erfüllt. Seine Nähe ist seine Hilfe.
von Wolfgang Dembski
Was wollt ihr? fragt Jesus. Ja, was wollen wir? Ganz viel wollen wir von ihm. Noch klingt nach, was wir uns in der Liturgie der Weihnachtszeit von ihm gewünscht haben. Erlöser soll er sein für die Welt, Retter, Friedensfürst. Licht soll er sein, Erfüllung aller Hoffnungen. Und dann unsere tagtäglichen Gebete: Gib mir Gesundheit, lass mich nicht arbeitslos werden, beschütze meine Familie, bewahre uns vor unruhigen und schlechten Zeiten … Jesus hört uns, da dürfen wir sicher sein. Er weiß, was sich Menschen von ihm wünschen.
Er wusste es auch damals. „Da ist einer, der hilft.“ Das hatte sich herumgesprochen, und so drängten sich Kranke, Behinderte, Ratlose und Verzweifelte um ihn. Hilfe wollten sie. Das brauchte man nicht erst zu erfragen, das sah man. Und wer so wunderbar helfen kann, wird schnell als religiöser Heilbringer verehrt. Jemand hat mal gesagt, die ganze Religion besteht aus zwei Wörtern: Hilfe! Hilfe!
Jesus hat vielen Menschen geholfen, vielen aber auch nicht. Längst nicht allen konnte er sich zuwenden und sie berühren. Nicht wenige werden enttäuscht nach Haus gegangen sein. Auch heute wenden sich Menschen vom Glauben ab, weil sie sagen: Das, was ich mir von Gott wünsche, bekomme ich nicht.
Ob die beiden jungen Männer, die Jesus nach einer Predigt folgten, ihn besser verstanden haben als andere? Jedenfalls haben sie auf seine Frage: Was wollt ihr? nicht mit einem Wunschkatalog geantwortet. Vielleicht haben sie gespürt, dass die Hilfe, die von Jesus kommt, mehr ist als Gesundheit, Sicherheit und Zufriedenheit. Da ist mehr, aber was? Sie möchten es herausfinden und sagen, was sie jetzt erst mal wollen: mit Jesus gehen und sehen, wie er lebt.
Und was sie dann sehen, fasziniert sie. Einen Menschen mit solch einer Ausstrahlung und seelischen Kraft haben sie noch nie erlebt. Wo er sich zeigt, da verändern sich Menschen: Blinde können sehen, Lahme machen sich auf den Weg, Hungernde werden satt, sogar Tote werden wieder lebendig. Seine liebevolle Art löst Menschen aus ihren Blockierungen und macht sie frei. Großartig auch, wie er mit den weltlichen und religiösen Autoritäten umgeht. Haushoch überlegen ist er ihnen. Noch als er verprügelt, angespuckt und gefesselt vor Pilatus steht, strahlt er eine Hoheit aus, die den römischen Machthaber als kleinen Feigling erscheinen lässt. Ja sogar als er am Kreuz hängt, wehrlos wie ein Lamm, das auf dem Altar geopfert wird, auch dann noch vollbringt er unbeirrt bis zum letzten Atemzug das, was ihm aufgetragen worden ist.
Solch einen Menschen kann man nur bewundern und lieben. In seiner Nähe zu sein, heißt aufatmen können, sich geborgen wissen, Kraft schöpfen, Mut bekommen, Selbstbewusstsein gewinnen und sich nie mehr hilflos fühlen.
Wer solche Erfahrungen gemacht hat und von Jesus gefragt wird: Was willst du? – der wird antworten: Dich will ich, deine Freundschaft und deine Nähe.







