Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Die Frage der Gerechtigkeit

von Matthias Nückel 

Kurz vor dem Weihnachtsfest wurde das deutsche Kernproblem in den Mittelpunkt gerückt: die Frage der Gerechtigkeit. Nach einer Umfrage ist die Hälfte der Bundesbürger der Meinung, es gehe hierzulande alles in allem gerecht oder zumindest nicht ungerecht zu. Genau die andere Hälfte sagt, es gehe weitgehend oder ganz und gar ungerecht zu. 79 Prozent sind sogar der Auffassung, dass die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich die Demokratie gefährdet.

Dies zeigt, dass das Land in einer ganz zentralen politischen Frage gespalten ist. Letztlich lassen sich nämlich fast alle politischen Themen, die derzeit diskutiert werden, auf das Problem der Gerechtigkeit zurückführen – sei es die Frage, wer die Euro-Rettung bezahlt, sei es die Pflegereform oder die Steuerpolitik. Selbst die Entwicklungspolitik ist eine Frage der Gerechtigkeit, denn hier geht es um die internationale Verteilung der Güter.

Einen Zustand, dass alle Menschen sagen, es gehe gerecht im Land zu, wird es nicht geben. Ebenso wenig wird absolute Gerechtigkeit zu erreichen sein. Das hat bisher noch kein politisches System auf der Welt geschafft. Ziel der Politik aber muss es sein, möglichst viel Gerechtigkeit zu erreichen.

Die Kluft zwischen Arm und Reich muss verringert, der Mittelstand gestärkt werden. Die Entwicklung, dass die Reichen immer reicher werden, muss gestoppt werden. Das hat nichts mit Neid zu tun, sondern schlicht mit Verantwortung aller für dieses Land. Gelingt es nämlich nicht, wieder mehr Gerechtigkeit zu schaffen, dann ist unser Gemeinwesen auf Dauer tatsächlich in Gefahr.


22.05.2012
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