Aktuelle Ausgabe
2012-20

Nach 18 Jahren gibt Diözesan-Caritasdirektor Volker Odenbach sein Amt an Josef Lüttig ab

Die Armut hat wieder Konjunktur

Nach 18-jährigem Dienst räumt Diözesan-Caritasdirektor Volker Odenbach seinen Schreibtisch in der „Zentrale der Nächstenliebe“. Er geht in den Ruhestand. Die Pflichtübungen gibt er an seinen Nachfolger Josef Lüttig weiter. Doch die Kür bleibt dem 65-Jährigen erhalten.Foto: Vieler

Paderborn. Volker Odenbach geht die Dinge ruhig und gelassen an. 18 Jahre an der Spitze des Diözesan-Caritasverbandes haben den gelernten Industriekaufmann trotz einer 50- bis 70-Stunden-Woche gelehrt, wie Aufgabenstellungen unaufgeregt erledigt werden können. An diesem Wochenende gibt er sein Amt an seinen Nachfolger und bisherigen Stellvertreter Josef Lüttig weiter.

von Gerd Vieler

Eigentlich ist der „Caritasdirektor“ im juristischen Sinne geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Diözesan-Caritasverbandes, eines eingetragenen Vereins, an dessen Spitze der Vorsitzende steht. Lange Jahre sei das „alte Schlachtross“, der im Caritasbereich unvergessene Prälat Joseph Becker, ihm ein väterlicher Freund gewesen, erinnert sich Odenbach an den Beginn seiner Amtszeit 1991.

Was eigentlich so seine Arbeit sei, hätten ihn auch seine Kinder häufig gefragt. Und schon da habe er keine richtig umfassende Antwort finden können, gesteht der Lobbyist der Nächstenliebe und beschreibt das weite Arbeitsfeld der Caritas: „Wir kümmern uns um die Menschen, die (noch) nicht geboren sind und diejenigen, die nicht sterben können.“

Dafür habe er sich als Vertreter in vielen Gremien und Funktionen eingesetzt.

Höhepunkt sei dabei sicherlich Vorstandsarbeit und die zweijährige Präsidentschaft bei der Deutschen Krankenhausgesellschaft gewesen. Der Verband vertritt alle etwa 2 000 Krankenhäuser Deutschlands.

An großen, neuen Aufgabenstellungen kommen Odenbach bei einem Rückblick vor allem der verstärkte Wettbewerb in den Sinn. Von einem privilegierten Wohlfahrtsverband wandle sich auch die Caritas nicht zuletzt durch den privaten Wettbewerb immer mehr zu einem Sozialunternehmen. Während Kirche immer mehr schrumpfte weite sich der Caritassektor immer mehr aus. Trotzdem ist für Odenbach ein Verlassen des 3. Weges im Tarifbereich für den Bereich der Caritas keine Option.

Die größten Herausforderungen für die Zukunft sieht Odenbach bei der Chancengleichzeit im Bildungsbereich und einem enger werdenden Teufelskreis von Armut und schlechteren Bildungschancen, die wieder in Armut enden.

Die Caritas Paderborn werde sich auch unter der neuen Leitung dafür einsetzen, dass Armut nicht noch mehr Konjunktur bekommt.

 

 

 

Der Diözesan-Caritasverband mit seinen rund 140 Mitarbeitern in der Paderborner Zentrale ist als sozialer Spitzenverband der Erzdiözese die politische Interessenvertretung der rund 46 000 Mitarbeiter aus dem Verbandsbereich. Und das mit imposanten Zahlen. 75 Sozialstationen ziehen ein flächendeckendes Netz über das Erzbistum.

150 Altenheime bieten Senioren ein Heim.

1 900 Mitarbeiter betreuen in Wohn- und Werkstätten Behinderte.

48 Krankenhäuser mit fast 13 000 Betten kümmern sich um ihre Patienten. Sie verwal-

 

 

ten ein Budget von rund 1,2 Mrd. Euro.

In der Amtszeit Odenbachs hat sich der Etat allein der 23 Caritas-Ortsverbände verdreifacht von 145 Mio. Euro auf 332 Euro im Jahr 2007. Davon sind rund 2,5 Prozent Kirchensteuermittel.

650 Kindergärten im Bereich der Caritas kümmern sich um die Kleinsten.

Zudem verfügt der Caritasverband über diverse Fachverbände für verschiedene soziale Problemfelder.

Dazu engagieren sich rund 20 000 Ehrenamtliche als „Bodentruppen“ im Bereich der Caritas-Konferenzen.


22.05.2012
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