Aktuelle Ausgabe
2012-20

Barbara Rofalski sorgte 25 Jahre dafür, dass Kinder in den Ferien ihren Spaß haben

Detektive streiften durchs Dorf

Barbara Rofalski (r.) kennt „ihre“ Kinder. Dieses Jahr gab es ein Fußballturnier zwischen den Jungen und Mädchen. Foto: Steinhofer

Iserlohn-Letmathe. Energiegeladen und mit gutem Organisationstalent ausgestattet gestaltete Barbara Rofalski in den vergangenen 25 Jahren die Stadtranderholung der St.-Kilian-Gemeinde in Iserlohn Letmathe. Für ihr Engagement und ihre Treue zum Ferienwerk der Gemeinde erhielt sie in einer Feierstunde die Ehrenurkunde des Diözesan-Caritasverbandes Paderborn.
Die Suche nach freiwilligen, ehrenamtlichen Helferinnen, die Sorge um die Finanzierung, die Absprachen mit anderen Verantwortlichen, die Beschaffung der Materialien und tausend andere Kleinigkeiten, die bedacht und organisiert werden müssen, gehörte in dieser Zeit zu ihren Aufgaben.
In diesem Jahr wurde 90 Schulkindern von Montag bis Freitag im ruhigen Ortsteil Stübbeken ein buntes Programm angeboten. Die örtliche Löschgruppe zeigte Gerät und Können und eine Tagesfahrt in den Freizeitpark Schloss Beck bei Bottrop-Kirchhellen stand auf dem Programm. Sogar der Kinderliedermacher Klaus Foitzik hatte sich angesagt. Er übte mit den einzelnen Gruppen Lieder ein, die aufgenommen und für jedes Kind auf CD gebrannt wurden.
Jede Gruppe erhielt als Kennzeichen einen Button, entsprechend den einzelnen Jahrzehnten: Die 50er-Jahre symbolisierte ein Motorroller der „großen Mädchen“, an die 60er-Jahre erinnerte der „VW-Käfer“ der Kinder aus dem zweiten Schuljahr, und die 70er-Jahre stellten die „großen Jungs“ mit einem Fußball dar. Der „Zauberwürfel“ kennzeichnete die 80er-Jahre, und für die 90er-Jahre stand der „Spongebob“ der Erstklässler. Bei den ganz Kleinen aus dem Kindergarten zeigte der Button einen „Klapperstorch“ mit einer Münze der neuen Währung „Euro“ im Schnabel.
Die erste Stadtranderholung fand 1957 statt. Danach gab es sie – bis auf eine Unterbrechung – jedes Jahr. Die Teilnehmer trafen sich an einem Sammelpunkt in Letmathe und wanderten zusammen mit den Betreuern, die Kilometer nach Stübbeken.
Dort verkleideten sich die Betreuer beispielsweise als Bauarbeiter, die einen Graben aushoben, oder als Großmutter, die ihr Enkel im Kinderwagen schob. Die Kinder streiften als Detektive durch das Dorf und sollten die Betreuer wiedererkennen. „Verbrecherjagden“ hieß diese Gruppenaktivität an der sicherlich nicht nur die Kids ihren Spaß hatten. Auf weniger Begeisterung stieß die Ruhepause nach dem Mittagessen. Die Kinder hatten auf „Feldbetten“ in der Dorfhalle ihre Mittagsruhe zu halten. Erst 1965 wurde diese unbeliebte „Schlafverordnung“ gelockert. Höhepunkte waren damals die Festzüge. In Gruppen mit Namen wie „Rasselbande“ oder „Rotkäppchen“ zogen sie an der Hand der Betreuerinnen durchs Dorf.
Um ein solches Programm für drei bis fünf Wochen auf die „Beine zu stellen“, braucht es – damals wie heute – einige Helferinnen. 1500 Ehrenamtliche waren wohl über die Jahrzehnte dabei. Sie versorgten die 4500 Kinder in den vergangenen 50 Jahren beispielsweise mit rund 400 Zentnern Kartoffeln. Kinder, die in den Sommerferien nicht verreisen, oder nicht verreisen können, sollen trotzdem Gemeinschaft erleben und zusammen Spaß haben. Das Konzept überzeugt also nicht nur Ehrenamtliche, sondern auch die Stadt: 1957 gab die Stadt eine Mark dazu, heute sind es zwei Euro pro Kind.
Auch wenn Barbara Rofalski nach fünfundzwanzig Jahren die Leitung aufgibt, wird das Erholungswerk der Gemeinde weiterbestehen. Carmen Jokisch, die Leiterin des Kindergartens St. Kilian wurde angesprochen.
Sie hat zugesagt, auch wenn die „Fußstapfen“ der Vorgängerin – zumindest am Anfang – etwas groß sein mögen. Denn sie hat „hohen Respekt“ vor der Leistung ihrer Vorgängerin.
Meinolf Steinhofer




22.05.2012
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