Solidaritätsfonds Jugendarbeitslosigkeit wurde vor 25 Jahren gegründet
„Der beste Schutz gegen Arbeitslosigkeit“
Herford. „Es genügte uns nicht, sonntags nur die christliche Botschaft von der Kanzel zu hören. Wir wollten auch etwas davon im Dekanat in die Tat umsetzen.“ Klaus Waldschmidt erinnert sich noch gut an die Anfänge des „Solidaritätsfonds Jugendarbeitslosigkeit“ vor 25 Jahren. Der Leiter des Arbeitskreises und seine ehrenamtlichen Helfer haben in diesem Zeitraum rund 200 arbeitslosen und schwer vermittelbaren Jugendlichen den Schritt in die Berufstätigkeit ermöglicht.
von Ruth Lakenbrink
„Der Anfang war schwer“, erinnert sich Waldschmidt an die ersten Gespräche im Herbst 1984 und die darauf folgende Gründungszeit. Alles hatte damit begonnen, dass bei der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) angesichts des Zechensterbens im Ruhrgebiet die zunehmende Arbeitslosigkeit thematisiert wurde. Doch alles Reden genügte Waldschmidt nicht und so gründete er schließlich im Frühjahr 1985 gemeinsam mit gleichgesinnten Katholiken aus Herford einen Arbeitskreis, der Jugendlichen, die ansonsten durch das Einstellungsraster der Betriebe fallen würden, zu Arbeit und einer vernünftigen Ausbildung verhelfen sollte.
Doch schnell stellten die engagierten Christen fest, dass es nicht reichte, nur die Arbeitsplätze zu vermitteln. Immer wieder stellte sich die Frage der Finanzierung der Ausbildung, zumal die Ausbildungsplätze in der Regel von den Betrieben speziell für diese Jugendlichen eingerichtet wurden und werden. So suchte die Arbeitsloseninitiativen in Trägerschaft des Dekanatspastoralrats Herford nach geeigneten Sponsoren und Unterstützern. Und fand diese bei Privatleuten, Betrieben, der Sparkasse Herford, Kirchengemeinden, die einmal im Jahr für die Initiative sammeln, und vor allem dem Erzbistum Paderborn, das die Ausbildungsvergütung jeweils zu 50 Prozent finanziert. Weitere 30 Prozent steuert der Solidaritätsfonds Jugendarbeitslosigkeit aus dem eigenen Spendensäckel bei. Jede Spende kommt den Jugendlichen ohne Abzüge zugute. Die Mitarbeiter der Arbeitsloseninitiative arbeiten ausschließlich ehrenamtlich. Die verbleibenden 20 Prozent werden von dem jeweiligen Betrieb übernommen.
Vor drei Jahren schließlich wurde die treuhänderische „Stiftung Solidaritätsfonds Jugendarbeitslosigkeit“ unter dem Dach der Caritas-Stiftung für das Erzbistum Paderborn gegründet, um die Zukunft der Arbeitsloseninitiative und damit einhergehend der Jugendlichen zu sichern. Denn der 71-jährige Klaus Waldschmidt denkt schon seit Längerem über die Zukunft nach, wenn er sich vielleicht nicht mehr mit vollem Engagement und wie bisher bis zu zwölf Stunden täglich der Vermittlung von arbeitslosen Jugendlichen widmen kann. So sei die Stiftung für ihn Entlastung und Zukunftssicherung zugleich, „damit die Idee in Herford nicht untergeht“, so Waldschmidt.
Vor allem angesichts der Tatsache, dass in jüngster Vergangenheit immer mehr Jugendliche auch in den umliegenden Dekanaten vermittelt wurden, ein wichtiger Schritt. Allein in diesem Jahr traten 16 Jugendliche ihre neue Ausbildung an, zwei erschienen grundlos nicht. Ärgerlich für Waldschmidt, denn er hat dann umsonst seine Zeit geopfert, aber eine Ausfallquote von zehn bis 15 Prozent kennt er mittlerweile. Dennoch: „Die Zahl 16 drückt nicht aus, wie viele Gespräche vorab geführt werden müssen.“ Zumal der Solidaritätsfonds Jugendarbeitslosigkeit seine Lehrlinge auch nach der Vermittlung nicht alleine lässt, sondern während der gesamten Ausbildungszeit weiter betreut. 44 Azubis sind es derzeit in allen drei Lehrjahren und in 28 verschiedenen Berufsfeldern. „Ich glaube, das kann noch nicht einmal Oetker leisten“, mutmaßt der rüstige Arbeitskreisleiter.
„Eine abgeschlossene Berufsausbildung ist der beste Schutz gegen spätere Arbeitslosigkeit und eine ‚Hartz-IV-Karriere’“, weiß auch Dr. Dirk Lenschen von der Caritas-Stiftung, der dem Solidaritätsfonds zum halbrunden Geburtstag gratulierte. Das kann auch Domenico Fava bestätigen. Als er vor einigen Jahren seine Ausbildung zum Friseur abbrechen musste, weil er mit seinem Chef nicht zurechtkam, half ihm Klaus Waldschmidt. „Ich hätte sonst nicht gewusst, was ich machen soll“, erinnert sich Fava. Mittlerweile hat er nicht nur seine Ausbildung abgeschlossen, sondern auch schon seinen Meister gemacht und leitet eine eigene Filiale. Eine Erfolgsgeschichte, die nur durch den Solidaritätsfonds Jugendarbeitslosigkeit geschrieben werden konnte.







