Kommentar
Der Wähler vergisst nicht
Bei der zweiten Landtagswahl in Hessen binnen zwei Monaten wurde die CDU stärkste Fraktion und kann mit der FDP koalieren. Die SPD wurde mit ihrem schlechtesten Ergebnis überhaupt abgestraft. Bei einer noch geringeren Wahlbeteiligung als 2008 schaffte die Linke den Wiedereinzug ins Parlament.
Birger Berbüsse (27) ist volontär beim Dom
Hessen hat gewählt. Schon wieder. Doch gerade einmal 60 Prozent der Bürger machten auch wirklich ihr Kreuz auf dem Wahlzettel.
Dass also weit über ein Drittel der Wahlberechtigten die Stimmabgabe verweigerte, muss jeden Demokraten bedenklich stimmen. Wer Schuld daran trägt, ist jedoch eindeutig: Die SPD mit ihrer (jetzt ehemaligen) Vorsitzenden Andrea Ypsilanti. Deren Machtbesessenheit stürzte nicht nur die Partei, sondern gleich das ganze Land ins Chaos. Sie gab ein Versprechen ab, immer und immer wieder. Und dann, als sie die Macht anders nicht erreichen konnte, scheute Ypsilanti sich nicht, einen dreisten Wortbruch zu begehen.
Das haben die Wähler nicht vergessen: die einen blieben genervt und angewidert gleich ganz zu Hause, die anderen gaben ihre Stimme anderen. Davon profitierte besonders die FDP. Doch das gute Gedächtnis der Wähler machte sich gerade bei den Liberalen noch anders bemerkbar: Kochs populistischer Wahlkampf vor einem Jahr ist weder vergessen noch vergeben: Deshalb stagnierte die CDU; ihre Wähler wanderten diesmal zur FDP über.
Daran darf optimistisch stimmen, dass der Wähler Lügen und Wortbrüche nicht toleriert und bestraft. Dass auch die Linke wieder ins Parlament einzieht, ist dagegen nur eines: traurig.







