Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Der Muttertag als Signal

Marlis Meermeier ist Vorsitzende des Diözesanverbandes Paderborn der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd). Sie ist 53 Jahre alt, Mutter von vier Kindern und wohnt in Paderborn-Sande.

von Marlis Meermeier 

Ich bin gerne Mutter! 

Ich habe es all die Jahre genossen, dass meine vier Kinder den Muttertag genutzt haben, um mir Dankeschön zu sagen und um mich ein wenig zu verwöhnen.

Ich bin aber auch gerne in meinem Beruf tätig gewesen!

Diesen hätte ich gern mit der Aufgabe als Mutter kombiniert. Ich hatte aber nicht die Wahl. Damals, vor fast dreißig Jahren, war es eher selten, dass Frauen die Möglichkeit hatten, beides miteinander zu vereinbaren.

Ich musste mich damals entscheiden: Kinder oder Beruf. Und fand das schade. Denn als Frau wollte ich nicht auf nur eine Rolle festgelegt werden.

Ich denke, Frauen haben viele Begabungen. Sie haben mehr als nur ein Charisma, das sie leben möchten.

In den letzten beiden Jahrzehnten hat sich aber ein Wandel vollzogen.

Frauen leben heute oft nicht nur eine oder zwei, sondern noch mehr Rollen. Neben der Rolle als Mutter oder als Erwerbstätige ist für viele Frauen immer noch die „Tochterrolle“ bei der Pflege von älteren Angehörigen eine kräftezehrende Aufgabe.

Manches ist heute für Mütter besser geworden: Anerkennung von Kindererziehungszeiten, mehr Kinderbetreuungseinrichtungen, bessere Teilzeitmöglichkeiten im Berufsleben, gesetzlich geregelte und finanzierte Erziehungszeiten für Mütter und Väter, um nur einiges zu nennen. Trotzdem bleibt es schwierig, Kinder, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren.

Wenn Frauen dann noch ehrenamtlich aktiv sein wollen, dann wird der Balanceakt, allen Anforderungen gerecht zu werden – und sich selbst auch – noch schwieriger.

Vieles kann und muss deshalb in Deutschland noch verbessert werden. Familienpolitik muss darum zu Recht ganz oben auf der Liste der tagespolitischen Themen stehen. Wichtig ist, dass wir Frauen unsere Wünsche und unsere Erfahrungen aktiv ins politische Gespräch einbringen.

Darum bin ich in der kfd, der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands. Denn unser Verband setzt sich dafür ein, dass Frauen gute und angemessene Rahmenbedingungen für ihre vielfältigen Aufgaben in Familie und Gesellschaft vorfinden.

Für mich ist darum der Muttertag nicht nur ein privater, schöner Tag in der Familie.

Ich verstehe den Muttertag auch als ein öffentliches Signal an uns alle, an unsere Gesellschaft, alles zu tun, damit Mütter auch in Zukunft überzeugt sagen können: Ich bin gerne Mutter!

 


21.05.2012
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