Aktuelle Ausgabe
2012-20

Gedanken zum Evangelium

Der Glaube an den guten Gott fordert

Der Theologe und Journalist Richard Schleyer ist Diakon im Pastoralverbund Salzkotten.

Wie sich der Glaube an den guten Gott im Auf und Ab des Lebens durchhalten lässt, so fragt Diakon Richard Schleyer auf dem Hintergrund des Gleichnisses vom wahren Beten.

von Richard Schleyer 

In seinen Gleichnissen ruft Jesus seine Jünger zu einem kindlichen Vertrauen gegenüber dem Vater im Himmel auf. Dieses Vertrauen wird nie enttäuscht werden, so möchte Jesus mit seiner ganzen Überzeugungskraft vermitteln; und er steht mit seiner Person und seinem Wirken dafür ein. Jesus verlor dieses Vertrauen nie. Bis zum Ende seines Lebens hält er an diesem Vertrauen fest, am Primat der Liebe; allerdings gegen die Kraft des Faktischen, gegen die Realität der Welt, die ihn in seiner Verurteilung und dem Tod am Kreuz einholte. Jesus hielt durch; aber sämtliche seiner Jünger verloren den Glauben an die gute Führung Gottes, die Jesus in ihnen hatte verankern wollen.

Ältere Christen erzählen gern davon, wie sie die Führung Gottes in ihrem Leben erfuhren. Sie kramen Ereignisse aus ihrem Leben hervor, in denen ihnen das Schicksal übel hätte mitspielen können, es aber gerade noch mal gut ausgegangen ist. Oft erzählt wird auch von Unglücken und Krisen, die tatsächlich eintrafen, sich später aber zum Guten wandten. 

So sehr die Dankbarkeit Gott gegenüber aus ihren Worten spricht, bei manchen Menschen spürt, wer gut zuhört, doch den leisen Zweifel. Kann ich mich in meinem Leben denn wirklich auf Gott verlassen? Wie sie sich von Gott getäuscht und enttäuscht fühlten, darüber mag kaum einer offen sprechen. Und doch muss genau dieser Kinderglaube, die intuitive Hoffnung, dass mit Gott schon alles gut ausgehen wird, sich letztlich richten muss, enttäuscht werden. Zur Reife des Lebens und des Glaubens gehört die Erfahrung, dass eben nicht alles gut ausgeht, dass Menschen einander übel mitspielen, dass Bravsein nicht vor Schuld bewahrt, dass wir gerade dort, wo wir es gut meinen, auch daneben greifen. 

Jesus ruft zu kindlichem Vertrauen auf, will, dass wir wieder werden wie die Kinder. Doch dieses „wieder werden“ erweist sich als ein hartes Geschäft; denn es muss sich durch das Leiden hindurch bewähren. Glaube und Gebet sind keine Versicherung gegen Schmerz und Ungerechtigkeiten. Wer im Gebet lernt, mit den Augen Gottes die Welt zu sehen, der wird auch zum Mitleidenden. Er kann sich die Welt nicht mehr schön zurechtlegen, sein Glauben an den guten Gott wird auf eine harte Probe gestellt. Das Böse in der Welt und in uns ehrlich zu sehen und sie und uns trotzdem in die Hand Gottes geben zu können, das ist wahrer Glaube. Gottes verwandelnde Kraft zeigt sich nicht darin, dass er extra für uns persönlich die Welt zum Paradies verwandelt. Er wandelt unsere Schwäche, indem er uns die Kraft verleiht, gegenüber dem Bösen wachsam zu bleiben, Unrecht beim Namen zu nennen und uns selber auch beim Scheitern in der Hand Gottes zu wissen. Kindlicher Glaube, Gottvertrauen nach dem Maß Jesu, kann anstrengend werden, weil dies verbietet, in Resignation zu verfallen. An dem Glauben an den guten Gott ehrlich festzuhalten, wird dann zur großen Herausforderung unseres Lebens.

 

 


21.05.2012
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