Gedanken zum Evangelium
Den inneren Weisungen folgen
Am Verhalten des heiligen Josef wird deutlich, dass auch wir aus einer inneren und spirituellen Beziehung zu Gott unseren Weg als Christen gehen sollen.
von Dieter Osthus
Wenn ich die St.-Josef-Kirche in Hagen-Altenhagen vom Seiteneingang betrete, dann führt mein Weg direkt zu einem Altar mit Bildtafeln aus dem Leben des heiligen Josef. Seitdem für diesen Holzaltar eine eigene Beleuchtung angebracht ist, erstrahlt das Leben dieses Heiligen in einem besonderen Licht. Und jeder Besucher der Kirche wird eingeladen, an diesem Altar der Kirche zu verweilen, zu beten oder in Momenten der Besinnung, das Leben und die Bedeutung des heiligen Josef zu betrachten. Aus dem Heiligen nur für den Seitenaltar wird für mich ein Wegbegleiter!
Eigentlich wissen wir nicht sehr viel von Josef, dem Mann der Maria und dem Mann, der Jesus adoptiert hat. Die Auskünfte im Neuen Testament über ihn sind äußerst spärlich. Und deshalb sind wir eingeladen, uns selbst Bilder von ihm zu machen.
Lediglich Matthäus entwirft ein Bild von Josef, in dem wir Facetten entdecken dürfen, die auch für unser Leben und für unsere Lebensentwürfe spannend und nachvollziehbar sein könnten. Im Evangelium vom Fest der Heiligen Familie wird Josef als jemand bezeichnet, der seinen Träumen folgte und der schließlich gehorsam war. Im 1. Kapitel taucht das Wort „gerecht“ im Zusammenhang mit Josef auf. Er wollte seine Frau nicht bloßstellen, weil er gerecht war. Gerechtigkeit im Sinne des Evangeliums hat nichts mit dem zu tun, was wir normalerweise darunter verstehen. Es geht um das Gerechtsein, von dem die Tora und vor allem die Psalmen sprechen: Gerecht handelt, wer sein Vertrauen auf Gott und sein Wort setzt; wer so handelt, wie er es als Willen Gottes für sich erkennt. So wird uns Josef als ein Mann gezeigt, der sich und sein Leben in JHWH (Jahwe) festgemacht hat. Und das bedeutet im Sinne der Tora Glaube. Josef glaubt an den Gott der Väter, er setzt sein Vertrauen in diesen Gott, der seinem Volk Wegbegleitung gewährt hat, insbesondere in schlechten Zeiten. Ich bin mir sicher, dass Josef genau diesen Glauben an seinen Sohn Jesus weitergegeben hat.
Ein weiterer Aspekt ist mir im Leben des Josef aufgegangen. Aufschlussreich ist, dass der Evangelist Matthäus Josef als einen Mann darstellt, der die göttlichen Weisungen im Traum empfing. Die Psychologen wissen: Menschen, die auf ihre Träume achten, haben einen Zugang zu den tieferen Schichten ihrer Seele und sie gestalten ihr Leben danach. Sie verlassen sich also nicht nur auf ihr verstandesmäßiges Bewusstsein, sondern treffen ihre Entscheidungen aus der Mitte ihrer Person, indem sie für die Botschaften aus dem Unbewussten offen sind.
Dass das Entscheidende für unser Leben aus der Verinnerlichung mit Gott kommt, das zeigt uns Josef. Er lebte aus der inneren spirituellen Beziehung mit Jahwe. Und darin steht Josef unserem heutigen Denken und Fühlen eigentlich recht nahe. Menschen heute sind skeptisch gegenüber von außen kommender religiöser oder moralischer Belehrung. Sie wollen selbst Erfahrungen machen, besonders die Jugendlichen. Josef ist ein solcher Mensch, der in lebendigem Kontakt mit seinem Inneren stand und daraus unendlich schöpfte. Er war nicht von außen gelenkt, sondern von dem, was er als richtig erkannt hatte.
Diesen inneren Wegweisungen entsprach Josef ohne Zaudern und Zweifeln. Er war gehorsam seinen inneren Eingebungen. Im Hören auf die innere Botschaft ging er seinen Weg. Und aus dem Hören auf das Innere zog er Konsequenzen. „Er tat“, heißt es da, „wie ihm geheißen wurde“, und „er stand auf“. Gehorsam heißt für ihn: Das zu tun, was er als Auftrag Gottes erkannte. Er stand auf, er hatte seinen Standpunkt gefunden, der ihm über Zweifel hinweghalf und ihn ermutigte, seinen Weg zu gehen. Auch diese Haltung wird er Jesus vermittelt haben. Jesus hat es später selbst praktiziert.
Wenn ich die Kirche St. Josef in Hagen verlasse, freue ich mich, Pfarrer dieser Gemeinde zu sein, die den heiligen Josef zum Patron gewählt hat und ich danke ihm, der mir in den Jahren meiner Tätigkeit in Hagen viel für meine eigene Lebensgestaltung mit auf den Weg gegeben hat.







