Aktuelle Ausgabe
2012-20

Das Berufsförderungswerk Hamm bietet berufliche Rehabilitation

Den Neuanfang ermöglichen

„So wird das gemacht.“ Ausbilder Walerij Wuckert führt Manuel Quinckhardt in den Beuf des Hörgeräteakkustikers ein. Foto: Berbüsse

Hamm. Treffen kann es jeden, und das jederzeit. Sei es der Dachdecker, der einen Bandscheibenvorfall erleidet, der Bäcker-Lehrling, der eine Mehlstauballergie entwickelt oder ein Schlosser, der nach einem Unfall nicht mehr weiterarbeiten kann. Menschen, die ihren Beruf nicht mehr ausüben können, bietet das Berufsförderungswerk (bfw) in Hamm Umschulungen an. Und folgt dabei einem christlichen Leitbild. Schließlich hat es katholische Träger.

von Birger Berbüsse

„Wenn jemand wegen einer Krankheit oder eines Unfalls seinem alten Job nicht mehr nachgehen kann, hat er eigentlich nur zwei Alternativen“, erklärt Mike Roller vom bfw. Da Rente meistens ausscheide, müsse umgeschult werden. Dazu könnten Betroffene einen Antrag stellen, zum Beispiel bei der Agentur für Arbeit. „Denn laut Sozialgesetzbuch hat jeder Bürger einen Anspruch auf die Teilnahme am Arbeitsleben“, weist der 35-Jährige auf die gesetzlichen Regelungen hin. Doch worauf umschulen? Dazu gibt es in Hamm, einem von insgesamt 28 Berufsförderungswerken Deutschlands, jeden zweiten Mittwoch Informationsveranstaltungen, bei denen die mehr als zwanzig Berufsbilder vorgestellt würden.
„Diese gliedern sich gewissermaßen in fünf Bereiche“, weiß Pressereferent Roller. Das sind zum einen kaufmännische, elektronische und metalltechnische Berufe. Seit 2001 gibt es zudem das Ausbildungsangebot zum IT-System-Kaufmann, denn die Informations- und Telekommunikationsbranche wachse stetig. Die fünfte Gruppe sind die Berufe des Gesundheitswesen.
Wer Schwierigkeiten habe, sich für einen neuen Beruf zu entscheiden, für den gebe es auch die Möglichkeit zum „Reha-Assessment“, einer Arbeitserprobung. Zwischen einem Tag und einer Woche könnten die Teilnehmer dabei in Berufe hineinschnuppern. So wie Manuel Quinckhardt aus Bremen, der eine Woche lang die Arbeit eines Hörgeräteakkustikers kennenlernt. Der junge Mann sitzt neben Ausbilder Walerij Wuckert und schaut aufmerksam zu, wie dieser Kontakte auf eine kleine Platte lötet. „Bislang bin ich sehr zufrieden und kann mir durchaus vorstellen, diesem Beruf nachzugehen“, zeigt er sich zuversichtlich.
Ist die Entscheidung für einen Beruf gefallen, kann die maximal zweijährige Umschulung beginnen. Neben der Theorie erlernen die Umschüler ihr neues Handwerk dabei in vollausgestatteten Übungswerkstätten, Büros oder medizinischen Räumen. Es gibt sogar eine komplette Firma, die mit anderen Übungsfirmen in Deutschland Geschäftesverbindungen unterhält. Ganz wie in der freien Wirtschaft draußen. Aber auch Praktika in echten Firmen gehören zur Ausbildung. „Die wird komplett von den Kostenträgern bezahlt“, weiß Mike Roller. Das schließe auch vor- und nachbereitende Maßnahmen wie Kurse zur Auffrischung von Mathe- oder PC-Kenntnissen ein.
Natürlich gehe es im Unterricht um Prüfungen und Ergebnisse, sagt der Abteilungsleiter des sozialen Reha-Fachdienstes, Clemens Tillmann. Er weist daraufhin, dass über 70 Prozent der bfw-Absolventen in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden könnten: „Jeder verlässt das bfw mit einer Perspektive!“ Im Mittelpunkt stehe aber immer der Mensch. Dies liege nicht zuletzt am christlichen Menschenbild des bfw Hamm, das von der Josefsgesellschaft und der KAB getragen wird.
Deswegen werde auch eine umfangreiche Betreuung der Umschüler durch Ärzte, Therapeuten und Pädagogen gewährleistet. „Wir sind zwar nicht das größte, aber das netteste Berufsförderungswerk“, fasst Tillmann diesen Grundsatz zusammen.


21.05.2012
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