Aktuelle Ausgabe
2012-20

Gedanken zum Evangelium

Den Auferstandenen begreifen

Sr. M. Katharina Mock ist Barmherzige Schwester vom hl. Vincenz von Paul. Sie ist Geschäftsführerin im St.-Vincenz-Krankenhaus Paderborn und St.-Josefs-Krankenhaus Salzkotten.

Die Botschaft von der Auferstehung Jesu stößt auch heute auf Skepsis. Das Berühren und Heilen menschlicher Wunden kann für manchen Menschen der Weg zum Glauben sein. Davon ist Sr. M. Katharina Mock überzeugt.

Das Evangelium des zweiten Ostersonntags berichtet uns von zwei Begegnungen des auferstandenen Herrn mit seinen Jüngern. Beide Male so wird berichtet, tritt er durch verschlossene Türen ein. Bei der ersten Begegnung ist Thomas nicht dabei. Den anderen,  die ihm von ihrer Begegnung mit dem Auferstandenen berichten, glaubt er nicht. Warum sollte er auch? Immer noch haben sie ihre Türen aus Angst verschlossen. Immer noch haben sie nicht verstanden, dass Jesus sie senden will, wie der Vater ihn gesandt hat.
Zurecht erwartet Thomas, dass es an den anderen ablesbar sein müsste, dass Jesus lebt.
Thomas zweifelt das Zeugnis der anderen Jünger an. Doch ist Thomas nicht ungläubig, wie er manchmal bezeichnet wird. Er hat einen gesunden Menschenverstand und seine Skepsis ist mir sympathisch.
Aus dieser Skepsis heraus ergreift er die Initiative, denn er möchte ja glauben, aber nicht ins Blaue hinein, er will Zeichen sehen, will sicher sein, dass er nicht irgendwelchen Irrtümern oder Hirngespinsten erliegt. Er will sich mit seinen Sinnen überzeugen, dass die Botschaft, die die anderen ihm sagen; wahr ist. Da er an ihnen nicht bemerkt, dass die Begegnung mit dem auferstandenen Herrn sie verändert hat, so will er Jesus selbst berühren, seine Wunden sehen.
Jesus lässt sich auf die Bitte des Thomas ein. Er zeigt ihm die Wunden, die ihm zugefügt wurden. Und Thomas darf mit diesen Wunden in Berührung kommen. Und so geschieht in ihm ein Angerührtsein von der Liebe Jesu. Die Botschaft dieser Berührung heißt: Ich bin an meinen Wunden gestorben. Doch der Tod hat keine Macht mehr über mich, denn die Liebe Gottes ist größer. So kann Thomas bekennen: „Mein Herr und mein Gott“.  Manchmal wünschen wir uns vielleicht wie Thomas, dem auferstandenen Herrn zu begegnen, ihn zu sehen und (seine Wunden) zu berühren.
Genau wie bei Thomas, bietet auch uns der auferstandene Herr in vielfältiger Weise die Möglichkeit dazu. Vor 350 Jahren sind Louise von Marillac und Vincenz von Paul gestorben. Am Leben dieser beiden Heiligen lässt sich die Berührung von Jesu Wunden sehr deutlich sehen. Armen, Kranken, Bettlern, Galeerensklaven, Flüchtlingen und Findelkindern haben sie geholfen.
Und aus der Berührung mit diesen Menschen konnte der hl. Vincenz sagen: „Erbarmen ist das innerste Geheimnis Gottes“. Für uns kann die Botschaft vom zweiten Sonntag der Osterzeit, der ja auch als Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit bezeichnet wird, wie folgt lauten: Immer dort, wo wir Menschen in ihrer Not begegnen, ihnen zuhören, Trost spenden, Hilfe leisten, wo wir unsere Zeit verschenken oder Hilflose in Schutz nehmen, dort lässt sich der Auferstandene an seinen Wunden berühren. Und vielhleicht erfahren auch wir dann die befreiende Botschaft von Ostern, wie es im 1. Petrusbrief heißt: „Durch seine Wunden sind wir geheilt.“ (1 Petr 2,24).
Denn durch seine Auferstehung bringt er Frieden, wo Unfriede herrscht;
Gerechtigkeit, wo Unterdrückung regiert; er schenkt Liebe, wo der Hass das Herz von Menschen zerreißt und er gibt Leben, wo der Tod die Macht übernommen hat.
Hören wir auf ihn, wenn er in unsere Mitte tritt und sagt: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“  


21.05.2012
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