Aktuelle Ausgabe
2012-20

Turmkreuz der Attendorner Pfarrkirche St. Johannes Baptist wird aufgearbeitet

Dem „Dom“ aufs Dach gestiegen

Mit einem 160-Tonnen-Autokran wurde das 600 Kilogramm schwere, korrodierte Turmkreuz der Attendorner Kirche St. Johannes Baptist zur Reparatur abgenommen.

Attendorn (jon). Eine nicht alltägliche Arbeit war es, die etliche Hansestädter am „Sauerländer Dom“ in Attendorn verfolgten: In rund 60 Metern Höhe stand auf der Plattform einer großen fahrbaren Arbeitsbühne Dachdeckermeister Karl-Georg Hoffmann, um das mit Rost befallene schmiedeeiserne Turmkreuz der Pfarrkirche St. Johannes Baptist aus der Verankerung zu lösen. Um 11.20 Uhr war es dann so weit: Das Turmkreuz mit der unterbauten Kuppel und dem goldenen Wetterhahn schwebte am Ausleger eines 160-Tonnen-Autokrans langsam zu Boden.

von Meinolf Lüttecke

Die Attendorner standen auf dem Alten Markt, verfolgten die Aktion und gaben ihre Kommentare ab. Martin Walter vom Kirchenvorstand, der die Leitung übernommen hatte, war nach der gelungenen Aktion zufrieden. Und auch Domkapitular Josef Vorderwülbeke atmete auf.
Nötig wurde die spektakuläre Aktion, weil der Zahn der Zeit übermäßig an dem eisernen Kreuz genagt hat. Die Korrosion wurde im vergangenen Jahr beim Anbringen des Lichterkreuzes vor Ostern festgestellt und durch Bilder dokumentiert.
Es war ein Kraftakt, denn das 7,28 Meter hohe Kreuz mit einer Spannweite von 2,80 Metern und dem darüber angebrachten Wetterhahn (Höhe 0,85 Meter) wiegt rund 600 Kilogramm. Für die ganze Maßnahme wurden zunächst Kosten in Höhe von 24000 Euro geschätzt.
Das alte Lichterkreuz, das am Ostersonntag-Abend das Signal für das Anzünden der vier großen Attendorner Osterfeuer gibt, wurde vom eisernen Kreuz abmontiert. Kunstschmiedemeister Josef Vollmert aus Drolshagen verlud das Kreuz auf seinen Anhänger. In den nächsten Wochen wird es überarbeitet, abgebeizt und feuerverzinkt. Anschließend wird der Elektrikermeister Hubert Bock LED-Bänder in Kreuzform anbringen. Sie sollen das alte Lichterkreuz ersetzen, das jährlich am Karsamstag aufwendig angebracht werden musste. Es folgt eine zweite Aktion, in der das eiserne Kreuz und der dann von Malermeister Claus Ortmann überarbeitete goldene Wetterhahn wieder auf seinen angestammten Platz auf dem Zwiebelturm der Pfarrkirche angebracht werden.
Das nun abgenommene Turmkreuz wurde nach dem Krieg durch Alois König, in Attendorn auch als „Appel-König“ bekannt, angefertigt. Das vorherige Kreuz war bei einem Fliegerangriff am 28. März 1945, bei dem der Kirchturm einen Volltreffer erhielt, zerstört worden. Zeitzeuge Walter Korreck erinnert sich noch, wie er mit seinem Vater am Nachmittag dieses Tages im Krankenhaus war und alle Ärzte nur aus dem Fenster schauten: Kirchturm und das Kirchendach brannten lichterloh. Nach dem Krieg wurde mit dem Wiederaufbau begonnen. Vor der Zerstörung hatte Dechant Schwunk den Architekten Bieker noch rechtzeitig den Turm zeichnen lassen, sodass der originalgetreue Wiederaufbau möglich war. Das Turmkreuz wurde mittels Flaschenzug im Sommer 1948 hochgezogen und installiert.


21.05.2012
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