Aktuelle Ausgabe
2012-20

Die individuelle Schwerstbehindertenbetreuung der Caritas

Das Team für alle Fälle

„Daumen hoch!“ Moritz Fähndrich (l.) und Maximilian Koeser (r.) haben ein Jahr lang viel Zeit in der Olpketal-Grundschule in Dortmund verbracht. Foto: Wiedenhaus

Dortmund. „Wir waren ein super Team!“ Moritz Fähndrich und Max Koeser strecken die rechte Hand nach vorn, halten ihre Daumen in die Höhe und lachen. Ein Jahr lang sind die beiden trotz eines großen Altersunterschiedes zusammen zur Schule gegangen: Der zehnjährige Moritz ist sprach- und lernbehindert und besucht die Olpketal-Grundschule in Dortmund. Maximilian Koeser ist 20 Jahre alt und hat Moritz als Zivildienstleistender betreut. Jetzt müssen sie Abschied voneinander nehmen. Nach den Sommerferien wird Moritz einen neuen Begleiter bekommen.


von Andreas Wiedenhaus

Seit 30 Jahren gibt es die Individuelle Schwerstbehindertenbetreuung (ISB) des Caritasverbandes in Dortmund. Aktuell sind in diesem Bereich über 40 Zivildienstleistende und Helferinnen im Freiwilligen Sozialen Jahr aktiv: Sie begleiten behinderte Kinder beim Schulbesuch oder unterstützen Menschen mit Behinderungen am Arbeitsplatz.
Maximilian Koeser ist durch den ehemaligen Schulseelsorger am Mallinkrodt-Gymnasium, Joachim Goebel, auf diese Möglichkeit des Zivildienstes aufmerksam geworden. „Die Aufgabe ist zu einem echten Traumjob geworden“, zieht er eine positive Bilanz seiner Zeit mit Moritz: „Das war auf keinen Fall ein verlorenes Jahr, sondern es hat mich im Gegenteil echt weitergebracht.“ Und langweilig sei es nie geworden, weder mit Moritz noch mit seinen Klassenkameradinnen und Klassenkameraden. „Kinder in diesem Alter sind einfach offen, ehrlich und fröhlich“, weiß Maximilian Koeser nach diesem Jahr an der Dortmunder Grundschule.
Um acht Uhr, zur ersten Unterrichtsstunde, haben sich Moritz und Maximilian an jedem Morgen getroffen. In den ersten beiden Stunden bekommt der Zehnjährige, der nach den Ferien die vierte Klasse besuchen wird, sonderpädagogischen Unterricht, der speziell auf seine Bedürfnisse zugeschnitten ist. Deutsch und Mathematik hat er nicht zusammen mit den übrigen 21 Kindern seiner Klasse.
„Malen macht Spaß“, nennt Moritz eins seiner Lieblingsfächer. Auch im Sachunterricht ist er mit großem Eifer und Erfolg dabei: Er hat beispielsweise ein Auto gebastelt, das für sein Aussehen mit dem Ersten Preis prämiert wurde. „Moritz ist viel selbstständiger geworden“, freut sich Maximilian über die Fortschritte, die sein Schützling im vergangenen Jahr gemacht hat. Auch nach der Schule haben die beiden noch Zeit miteinander verbracht. Dann konnte sich Moritz ab und zu zusammen mit Maximilian einer anderen großen Leidenschaft des Zehnjährigen widmen: Er kocht gerne.
Während Moritz jetzt seine Sommerferien genießt und Maximilian sich auf sein geplantes Betriebswirtschafts-Studium vorbereitet, geht es für Annette Tirtey vom Caritasverband in diesen Tagen darum, einen geeigneten Nachfolger von Maximilian Koeser in der Betreuung für Moritz zu finden. Sie leitet die individuelle Schwerstbehindertenbetreuung. „Das wichtigste ist natürlich, dass die beiden sich gut verstehen“, fasst sie zusammen. Es müsse einfach „passen“: „Schließlich verbringen beide sehr viel Zeit miteinander und deshalb muss die Chemie einfach stimmen!“ Alle „Zivis“ in der ISB leisten diesen Dienst freiwillig. Annette Tirtey: „Niemand wird so einer Aufgabe zugewiesen, das würde nicht funktionieren.“ Über mangelndes Interesse braucht Annette Tirtey nicht zu klagen: „Der Übergang klappt normalerweise problemlos. Viele melden sich durch Mund-zu-Mund-Propaganda.“ Das liege wohl auch daran, dass viele auf Empfehlung „Ehemaliger“ kämen, vermutet sie.
Und für den Fall der Fälle steht Moritz sowieso nicht allein da. Er kann sich auf seine Freunde in der Klasse verlassen. Ganz besonders auf die Zwillinge Emma und Karla. Maximilian Koeser: „Die beiden kümmern sich ganz toll um Moritz!“


21.05.2012
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