Gedanken zum Evangelium
Das Gleichnis vom Hochzeitsmahl
Gott lädt die Menschen zum Fest seiner Gegenwart. Doch ob sie die Einladung auch annehmen?
von Wolfgang Thönissen
Dieses Gleichnis vom Hochzeitsmahl geht auf Jesus selbst zurück. Eine Parallele findet sich bei Lukas (14, 15-24). Es handelt sich um eine lehrhafte Erzählung, Parabel genannt. Die ursprüngliche Erzählung ist klar und übersichtlich angeordnet und erscheint einleuchtend: ein Mann lädt zu einem Festmahl ein – die geladenen Gäste lehnen ab – Ersatzgäste werden eingeladen, welche auch kommen. Das Hochzeitsmahl findet statt.
Bei Matthäus ist es ein König, der einlädt. Das macht die Geschichte feierlicher, erhabener. Es bleiben jedoch Fragen, Unstimmigkeiten in dieser Erzählung zurück, die wir zunächst nicht verstehen.
Die zur Hochzeit Geladenen weisen die Einladung schroff zurück, geben unterschiedliche Gründe an, der eine hat auf seinem Acker zu tun, der andere muss in seinen Laden. Wieder andere fallen über die Diener des Königs her und bringen sie um. Der Zorn des Königs fällt auf die Mörder zurück; dieser kennt kein Erbarmen und legt ihre Stadt in Schutt und Asche. Wer würde eine solche Handlung erwarten? Dass Gäste, die man eingeladen hat, ausbleiben, hat jeder einmal erlebt, dass alle ausbleiben, ist unverständlich, dass Diener umgebracht werden, die zur Hochzeit einladen, erscheint dagegen völlig unwahrscheinlich, ja unwirklich. Jesus will uns offenbar auf etwas Wichtiges aufmerksam machen. Was könnte das sein?
In unserer Parabel geht es um eine Warnung an den Hörer. Verpass die Gelegenheit nicht, die sich dir bietet; verpass das Fest nicht, so dass es am Ende ohne dich stattfindet. Jesus gibt zu Beginn seiner Geschichte selbst den Hinweis, um welches Fest es sich handelt, wenn er sagt: „Das Himmelreich gleicht einem König…“. Um das Fest des Gottesreiches handelt es sich. Die Hörer, die Jesus vom Himmelreich reden hörten, haben diesen Hinweis sofort verstanden: er redet von Gott, aber nicht abstrakt in Begriffen, die niemand versteht, sondern in Bildern. Das Bild ist diese Geschichte. Sie führt uns zu Gott, und zwar zu dem Gott, der kommt und uns einlädt. Dieser Gott will mit uns ein Fest feiern, das Fest seiner Gegenwart. Wieder im Bild: Ochsen und Mastvieh, alles was eine biblische Hochzeitsgesellschaft zu bieten hat, wird aufgefahren.
Ein großes Fest will gefeiert werden. Als aber die eingeladen Hochzeitsgäste nicht kommen, lädt der König noch einmal ein, was heißt: Gott lässt sich nicht abweisen von den Menschen, die nicht mit ihm feiern wollen. Was für eine moderne Situation, mögen wir hier denken. Wir leben in einer Welt ohne Gott, viele Menschen haben keinen Zugang mehr zu ihm, sie feiern keine Gottesdienste, sie hören seine Botschaft nicht. Aber Gott lässt sich nicht beirren, er lässt sich nicht abweisen, er lädt uns Menschen immer wieder ein, gute und böse, nicht nur die Auserwählten, sondern auch die, die nicht glauben, nicht nur die Reichen, sondern auch die Armen, alle lädt er ein. Dass Gott die eingeladenen Hochzeitsgäste, die nicht kommen, nicht tötet, das ist uns längst klar, aber Jesus greift in seinem Gleichnis zu diesem äußersten Stilmittel, um den Hörern seiner Botschaft zu sagen: Gott kommt, er ist schon da, auch wenn ihr ihn nicht sehen wollt, auch wenn ihr seine Botschaft nicht hören wollt, auch wenn ihr seine Einladung nicht annehmt. Der Gott, von dem Jesus redet, der kommt zu den Menschen, er bittet sie, seine Einladung zum Fest seiner Gegenwart anzunehmen. Sind wir bereit, ihn anzunehmen? Vor dieser Herausforderung stehen wir jeden Tag.







