Aktuelle Ausgabe
2012-20

Gedanken zum Evangelium

Christus – ein König für unsere Zeit?

Elsbeth Bihler ist Gemeindereferentin im Pastoralverbund Schwerte.

Auch unsere Zeit kennt ihre Königs-Gestalten. Als echte Alternative stellt ihnen Elsbeth Bihler Jesus, den König am Kreuz, gegenüber. 

von Elsbeth Bihler 

Der Christkönigssonntag ist der letzte Sonntag im Kirchenjahr; ein Anlass, darüber nachzudenken, wer  im letzten Jahr die Rolle eines Königs in unserer Gesellschaft und auch in unserem ganz privaten Leben eingenommen hat. 

Das Christkönigsfest – 1925 durch Papst Pius XI. eingeführt – hat im Laufe der Jahre eine unterschiedliche Gewichtung erhalten. Heute von der Öffentlichkeit kaum noch wahrgenommen, war es zur Zeit des Nationalsozialismus im letzten Jahrhundert ein eher trotziges Fest gegen den Herrschaftsanspruch des Dritten Reiches. Damals traf man sich zu Bekenntnissonntagen, bei denen Lieder gesungen wurden, die deutlich machten: Christus ist unser König – und sonst keiner. 

Wer unsere Gesellschaft heute ansieht, könnte meinen: Christus, unser König,  hat abgedankt. Die Glaubenslosigkeit greift um sich. Unsere Kirche ist durch diverse Skandale noch mehr in Misskredit geraten als es vorher schon war. Wer oder was aber steht dann an oberster Stelle in unserer Gesellschaft? Politiker stehen auch schlecht da. Denen wird eher misstraut als geglaubt. Sind es etwa die Stars und Sternchen, zu denen unsere Teenies glänzenden Auges aufblicken, in der Sehnsucht, auch einmal dort oben zu stehen, umjubelt von der Menge? Sind es die Erfolgreichen im Sport, die Gewinner, die Ersten? Sind es einfach die Reichen und Schönen, zu denen man auch unbedingt gehören möchte? Oder sind es unsere eigenen Kinder und Enkelkinder, die in den Mittelpunkt gerückt sind und zum Maß aller Dinge werden?

Jeder mag seinen eigenen Gedanken nachhängen. Aber eines ist auf jeden Fall zu beobachten: Viele Menschen leben sehr froh und glücklich ohne den Glauben an Jesus Christus und schon gar ohne Kirche. Und wo bleibt er dann  – unser wirklicher König? Das Evangelium führt uns Jesus als unseren König vor Augen – und das passt nun gar nicht in eine Welt, deren Gottheiten Geld, Macht, Ruhm und Glimmer zu sein scheinen. Ein König am Kreuz mit einer Krone aus Dornen. Verhöhnt und verspottet von der weltlichen Macht, verurteilt von den religiösen Würdenträgern, verhöhnt auch von den mit ihm Leidenden und doch gerade von ihnen auch erkannt. Nein, dessen Reich ist bestimmt nicht von dieser Welt.

Und doch ist er es, der im Zeichen des Kreuzes Himmel und Erde verbindet. Der wahre König, dessen Botschaft nicht ist: Du bist nur was, wenn du reich und schön bist, wenn du Erfolg hast und immer erster bist. Sondern der sagt: Auch im Leid, in der Not, ja, im Sterben und durch den Tod hindurch wirst du wirklich du selbst, wächst du, wirst du groß. In ihm hat Gott sich den Menschen gezeigt als Angebot der Liebe, die er selbst zu uns hat. 

Und deshalb dürfen wir allem äußeren Anschein zum Trotz glauben: Jesus Christus ist der wahre König der Welt; so, wie Paulus ihn in seinem Loblied im Kolosserbrief beschreibt. „Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung. Denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten; alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen.“ In Christus, unserem König, hat sich Gott selbst den Menschen liebend zugewandt, durch alle Ängste und Nöte hindurch. Er befreit uns von dem Zwang, immer erster oder bester zu sein – auch das ist Erlösung! Daran sollten wir uns immer wieder erinnern – nicht nur am Christkönigssonntag – wenn in der Eucharistiefeier gebetet wird.

„Durch ihn und mit ihm und in ihm ist dir, Gott, allmächtiger Vater in der Einheit des Heiligen Geistes alle Herrlichkeit und Ehre.

 

 


18.05.2012
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