Aktuelle Ausgabe
2012-20

Gedanken zum Evangelium

Christsein ausgestalten

Christa Mertens,

Nicht auf Absichten und Worte kommt es Gott an, auf das tatsächliche Tun. So deutet Christa Mertens, Gemeindereferentin und Geistliche Begleiterin im Diözesanverband der kfd, das Gleichnis von den zwei Söhnen eines Weinbergbesitzers.

Von Christa Mertens

Diesmal haben wir es im Sonntagsevangelium mit einer wohl immer noch aktuellen Situation aus dem Leben von Eltern oder Erziehern zu tun. Die Szene mit den beiden Söhnen wirkt bekannt. Da trifft die Bitte des Vaters, etwas für ihn zu tun, bei den Söhnen zunächst auf Gehör, wenn auch mit unterschiedlichem Ergebnis. Der eine bekundet seine Zustimmung und stellt sich damit in ein gutes Licht beim Vater. Der andere riskiert mit seiner Absage mal wieder der „Quertreiber“ zu sein, der das friedvolle Miteinander von Eltern und Kindern auf die Probe stellt.
So weit, so gut, möchte man denken. Denn beiden Söhnen scheint eine ehrliche Antwort wichtig, sie lassen keinen Zweifel über ihre Zusage oder Verweigerung. Erst wenn wir die Erzählung weiter verfolgen, zeigt sich, dass das „Ja“ des ersten Sohnes  nicht ernst gemeint war. Irgendetwas war ihm wichtiger und wahrscheinlich weniger anstrengend als die Arbeit im Weinberg. Daher gibt er seinen eigenen Interessen den Vorrang, während das Anliegen des Vaters in Vergessenheit gerät.
Nicht so bei dem zunächst schwieriger anmutenden Sohn. Trotz seiner spontanen Absage hat sich die Bitte des Vaters in seinem Herzen nicht einfach erledigt, sie klingt dort weiter nach. Das bleibt nicht ohne Folgen: Aus dem „Nein“ wird ein „Ja“, aus der Einsicht, dass es doch sinnvoll ist, dem Wunsch des Vaters nachzugehen und die Arbeit im Weinberg aufzunehmen.
Mit diesem Gleichnis wendet sich Jesus an jene, die schon einmal ein Angebot in den Wind geschlagen haben, sich auf den Weg eines heilsamen und gerechten Lebens zu begeben. Denn Johannes der Täufer war es, der aufrief zu Buße und Umkehr, doch er stieß auf taube Ohren, Gleichgültigkeit und Ablehnung. Stellvertretend für alle, die das Wort des Johannes gehört, aber sich ihm innerlich verweigert haben, nennt er die Hohenpriester und Ältesten. Ihnen hält er mit dieser Lehrgeschichte entgegen, dass vor Gott nur das zählt, was ein Mensch wirklich aus Überzeugung tut. Es zählen nicht äußere Würde oder soziale Stellung, auch nicht der „Besitz“ der religiösen Leitungsfunktionen. Darum werden diesen hohen Repräsentanten des Judentums ausgerechnet die Zöllner und die Dirnen als Vorbilder der Bereitschaft gegenüber gestellt, auf die Botschaft des Täufers zu hören. Darum ist die Botschaft Jesu an Deutlichkeit nicht zu überbieten: In den Augen Gottes kommt es nicht darauf an, in den wesentlichen Fragen des Lebens etwas zu wissen oder anschaulich darüber reden zu können. Nein; nur wer sein Leben danach ausrichtet, den Weisungen Gottes mit offenem Herzen zu folgen, hat den Willen Gottes erfüllt und hat Anteil am Reich Gottes, also an der Verheißung, jetzt und nach dem Tod in der Obhut Gottes geborgen zu sein.
Mit dieser Gleichnisrede Jesu, die der Evangelist Matthäus den Menschen damals zur Verkündigung brachte, will er auch uns heute wachrütteln. Er zeigt, wie unser Verhalten und Glaube gefordert sind. Matthäus geht es um die Ausgestaltung eines gelebten  Christ-seins. „Den Willen des Vaters zu erfüllen“, so heißt es im Text, basiert nicht auf einem autoritären „Du machst das jetzt“, sondern auf den Erfahrungen, dass der Vater es gut mit uns meint. Wir tun daher gut daran, uns auf seine Weisungen einzulassen. Es gibt dem Leben Sinn, den Willen des Vaters wahrzunehmen und ihn zu realisieren. Wer einmal die Erfahrung gemacht hat, dass das „Ja“ zu Gott gerade im konkreten Tun unseren eigenen inneren Wünschen und Hoffnungen Auftrieb gibt und dazu dem Nächsten zu Hilfe kommt, wird diesen Boden des Vertrauens immer wieder spüren.


18.05.2012
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