Annegret Meyer beschrieb die Gründerin der Salzkottener Franziskanerinnen Mutter Clara Pfänder
Charismatisch und konfliktbereit
Salzkotten (fcjm). Als eine charismatische und konfliktbereite, aber entschieden katholische Frau beschrieb Annegret Meyer die Gründerin der Franziskanerinnen Salzkotten, Mutter Maria Clara Pfänder. Die Theologin sprach in der Salzkottener Mutterhauskirche im Rahmen der Veranstaltungen zum 150-jährigen Jubiläum der Ordensgemeinschaft.
Die 1827 in Hallenberg geborene und 1882 in Rom gestorbene Clara Pfänder habe immer wieder „alte Gewohnheiten verlassen und sich durch einen außergewöhnlichen Mut ausgezeichnet“. Den zahlreichen Zuhörern beschrieb Dr. Annegret Meyer die Persönlichkeit der Ordensgründerin auch mit Blick auf die heutige Situation der katholischen Kirche.
Clara Pfänder sei „entschieden katholisch“ gewesen. Bereits als kleines Mädchen habe sie sich in ihrem konfessionsverschiedenen Elternhaus für die katholische Konfession ihrer früh verstorbenen Mutter entschieden. Als Tochter des Bürgermeisters und älteste von 14 Kindern wuchs sie in Hallenberg auf. 1850 trat Clara Pfänder in die Gemeinschaft der Schwestern der Christlichen Liebe in Paderborn ein. Schon bald fühlte sie jedoch eine neue Berufung und gründete mit Unterstützung des Bischofs von Paderborn die Gemeinschaft der „Schwestern des heiligen Franziskus, Töchter der heiligen Herzen Jesu und Mariä“.
Annegret Meyer ging besonders auf die Konflikte in dieser Gründungsphase und in den späteren Wirren des Kulturkampfes in Preußen ein. So wurde nur drei Jahre nach der Gründung der Gemeinschaft das Mutterhaus nach Salzkotten verlegt. Die Mitgründerin, die aus Olpe stammende Schwester Theresia Bonzel, blieb mit mehreren Schwestern in Olpe. Dort entwickelte sich dann später die selbstständige Gemeinschaft der Olper Franziskanerinnen. Annegret Meyer: „Das war wie ein Geschwisterstreit. Die Energiefelder zweier charismatischer Frauen trafen aufeinander.“ Heute gibt es gute Kontakte zwischen den beiden Gemeinschaften der Franziskanerinnen, die sich gegenseitig als „Cousinen“ bezeichnen.
Meyer entdeckte „Konfliktmuster“ bei Mutter Clara. Diese würden auch bei der Auseinandersetzung um die Einkleidung neuer Schwestern aufgrund einer „Geheimvollmacht“ von Bischof Konrad Martin deutlich erkennbar.
Der aufgrund der Auseinandersetzungen zwischen dem Preußischen Staat und der Kirche inhaftierte Bischof Konrad Martin übergab in seiner Gefängniszelle am 9. Januar 1875 Mutter M. Clara eine streng vertrauliche schriftliche Vollmacht. Damit ermächtigte er sie, nötigenfalls neue Beichtväter der Ordensgemeinschaft zu ernennen, Kandidatinnen aufzunehmen, Postulantinnen einzukleiden und zur Profess zuzulassen. Dies waren priesterliche Rechte, die normalerweise dem Superior der Gemeinschaft vorbehalten waren. Schließlich machte Mutter M. Clara von der bischöflichen Vollmacht Gebrauch und nahm Einkleidungen auch in Abwesenheit des Superiors vor. Für die Mitschwestern, die von der Vollmacht nichts wussten, sei dies eine große Provokation gewesen und habe sie in starke Loyalitätskonflikte gestürzt, erläuterte Annegret Meyer. Auf Fragen habe Mutter Clara entgegnet: „Außergewöhnliche Zeiten erfordern auch außergewöhnliche Maßnahmen.“ Der Streit um den Vorwurf der „Anmaßung priesterlicher Rechte“ spitzte sich jedoch weiter zu und führte schließlich 1880 zum Rücktritt Clara Pfänders vom Amt der Generaloberin.
„Sie hat sich in all diesen Auseinandersetzungen für die charismatische Option entschieden, die frei aus der Gottesbeziehung heraus erfolgt“, erläuterte Annegret Meyer. Diese „charismatische Perspektive“ könnte auch für die Kirche heute zukunftsweisend sein. Mutter Clara sei der eigenen Berufung nicht durch äußeren Druck ausgewichen.




