Aktuelle Ausgabe
2012-20

oder was haben Pfarreien und Bäckereien in Deutschland gemeinsam

Brot, Brötchen oder Pumpernickel …

Dekanatsreferent Edgar Terhorst stellte das Programm vor.

Unna/Schwerte. „Der Ruf nach Veränderung in der Kirche ist in den vergangenen Tagen und Wochen wieder lautstark zu hören“, so Dechant Norbert Nacke. An vielen Stellen scheine es einen Reformstau zu geben. Auf der anderen Seite gebe es das Bestreben, alles beim Alten lassen zu wollen. 

„Und beide Seiten beanspruchen für sich, Recht zu haben“, schreibt der Dechant des Dekanates Unna und Seelsorger in der Kirchengemeinde St. Marien in Unna-Massen im Pfarrbrief vom 13. Februar 2011. Ein Blick in die lange Geschichte der Kirche zeige, dass es nie Stillstand gegeben hat. „Wir glauben daran, dass Gott seine Kirche heute genauso begleitet wie in den vergangenen 2000 Jahren.“ Es stelle sich nicht die Frage: „Was wollen und müssen wir verändern?“, sondern „was Gott mit uns als Gemeinde, als Pastoralverbund, mit mir als Einzelnen vorhat?“

In diesem Sinne lädt das Dekanat Unna am kommenden Montag alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gemeinden zu einem Abend mit Dr. Bernhard Spielberg ein. „Metamorphosen, oder: Wie entpuppt sich die Kirche von morgen?“ Unter diesem Leitwort referiert der Mitarbeiter am Lehrstuhl für Pastoraltheologie an der Universität Würzburg am 28. Februar, ab 18.00 Uhr, in der Katholischen Akademie in Schwerte.

„Es geht um die Frage, wie in Zukunft unsere Gemeinden sich den Herausforderungen unserer Zeit stellen und den Spagat zwischen Pfarrei und Gemeinde meistern können“, erläutert Dekanatsreferent Edgar Terhorst den Hintergrund des Seminars. Ein Aufbruch sei auch ein Abschiednehmen von „Gewohntem“. „Bei einer Metamorphose nimmt ein Gegenstand eine völlig neue Form an. Ähnlich verhalte es sich auch derzeit mit der Kirche“, so Terhorst weiter. „Sie führt zu größeren Räumen – sinnvollerweise mit größeren Pfarreien oder einer großen Pfarrei als Verwaltungseinheit. Für die zukünftige Sozialgestalt unserer Kirche aber ist entscheidend, dass Kirche aus einer Vielfalt von kleineren Gemeinden getragen wird, in denen der christliche Glaube im Alltag gelebt wird.“ Es gelte Orte, an denen sich diese Gemeinden ereignen, jetzt neu zu entdecken, zu würdigen und zu fördern und in ein neues Bild von Kirche zu integrieren.

Dr. Bernhard Spielberg vergleicht in seiner Ausführung die Pfarreien mit Bäckereien, vielfältig im Angebot, vielfältig in ihrer (regionalen) Struktur. „Pfarreien sind – um es im Bild zu sagen – Orte, an denen Menschen mit dem geistlichen Brot des Evangeliums und der Eucharistie in Berührung kommen können.“ Sein Fazit: Wenn die Pfarreien in Zukunft noch – oder wieder – als Orte nahrhafter Spiritualität wahrgenommen werden wollen, dann müssen sie unter anderem „die gesellschaftlichen Herausforderungen annehmen“.

Gefragt sei die Kirche vor allem im Rahmen des diakonischen Engagements. „Die Pfarreien haben hier Chancen, von denen andere nur träumen können.“ Sie sind lokal verankert, verfügten über großes Potenzial an ehrenamtlichem Engagement und könnten auf die „Tradition christlicher Lebenskunst“ bauen, so Spielberg. Die kirchliche Landschaft in Deutschland werde sich in Zukunft weiter verändern. „Nur so wird die Kirche in der Lage sein, Menschen das spirituelle Brot zum Leben zu geben, das sie brauchen, das ihnen schmeckt und das sie auch verdauen können.“ Es dürfe nicht vergessen werden: „Die Bäckerei gibt es, weil Brot ein Lebensmittel ist. Nicht umgekehrt.“

Während der erste Seminartag ganz im Zeichen der Ausführungen Spielbergs mit anschließendem Gespräch und  spirituellem Ausklang in der Kapelle stehen wird, ist am Dienstag, 1. März 2011 geplant, die Impulse vom Vorabend mit den Hauptamtlichen der Gremien zu bündeln und in Konzepte für die zukünftige Arbeit in den Gemeinden und in den Pastoralverbünden einfließen zu lassen. Dabei soll auch die Zusammenarbeit mit einem erweiterten Personenkreis, wie beispielsweise Vertretern von Krankenhäusern, Schulen, Vereinen, Beratungsstellen, Familienzentren, Arbeitsämtern und Stadt- oder Gemeindeverwaltungen diskutiert werden. Im Rahmen eines sogenannten „Fünf Minuten Blickwechsel“ könnten diese bespielsweise die Möglichkeit erhalten, die Aufgaben und Herausforderungen ihrer Einrichtungen zu charakterisieren und aus ihrer Sicht zu schildern. „Wichtig ist in diesem Zusammenhang zu schauen, wo Kirche vor Ort gefragt ist und welche Art der Zusammenarbeit bereits besteht“, so Terhorst. 

Info

Die Informationsveranstaltung beginnt für alle Interessierten am Montag, 28. Februar 2011, um 18.00 Uhr in der Akademie Schwerte und endet für die Hauptamtlichen der Gremien am Dienstag, 1. März, um 13.30 Uhr. Anmeldungen nimmt das Dekanatsbüro unter info@dekanat-unna.de oder unter Tel.: 0 23 07/20 84 47-0 entgegen. Die Teilnahme ist kostenlos!


18.05.2012
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