Diözesantag der Vinzenz-Konferenzen beim Jubiläum der Iserlohner Konferenz
„Brandpredigt“ war die Rettung
Iserlohn. Die Vinzenz-Konferenzen im Erzbistum Paderborn hätten sich kein aktuelleres und drängenderes Thema für ihren Diözesantag in Iserlohn aussuchen können. Überschlagen sich doch die täglichen Meldungen in den Nachrichten von zunehmender Arbeitslosigkeit und Armut.
von Ingrid Piela
„Menschen am Rande – Soziale Manieren für eine bessere Gesellschaft“ lautet das Jahresthema der Caritas. Die Caritas will sich nicht mit der dauerhaften Existenz von Menschen „am Rande“ abfinden. Dies zu tun, ignoriere die Werte einer demokratischen und sozialen Gesellschaft. Menschen „am Rande“ seien eine Herausforderung für Politik, Kirche und Gesellschaft, sagte Christoph Eikenbusch, Abteilungsleiter Beratende Dienste, Gefährdetenhilfe und Integration im Diözesan-Caritasveband in seinem Festvortrag. „Ein Lächeln erfreut jeden. Auch mich“, sagt auf einem Kampagne-Plakat eine Obdachlose.
Eikenbusch hatte eine Papier-Tragetasche mitgebracht, auf der in großen roten Buchstaben zu lesen ist: Respekt – alles andere kommt mir nicht in die Tüte.“ Bewusst hat die Caritas dieses Lieblingswort der „Hip-Hop-Szene“ aufgegriffen als ein Wort mit Signalwirkung, bei dem jeder aufhorcht, egal ob Alt oder Jung. Mehr als eine viertel Million Obdachlose oder von Wohnungslosigkeit bedrohte, bis zu eineinhalb Millionen Menschen ohne rechtlichen Aufenthaltsstatus, rund sieben Millionen Menschen von Hartz IV betroffen. Der Referent ging besonders auf zwei Fragen ein: „Wie weit trifft die hilfesuchenden Menschen selber die Schuld?“ und „Was kann man ihnen zumuten zur Eigenhilfe zu tun?“
Eikenbusch:“ Am Ende des Geldes ist noch so viel Monat übrig.“ Die Zunahme von Tafeln, Suppenküchen und Kleiderkammern spreche für sich. Bildung, Arbeit, Gesundheit und soziale Sicherung – arme Menschen hätten keine Teilhabe daran, was zu weiteren Problemen führe. Dazu kämen Arbeitslosigkeit, Einsamkeit, Verschuldung, Behinderung, Straffälligkeit oder Obdachlosgkeit. Gerade diese Problemvielfalt mache es so schwierig, eine Lösung zu finden, so der Referent.
Diözesanvorsitzender Manfred Schulte nahm Glückwünsche zum 50-jährigen Jubiläum der Vinzenz-Konferenz Hl. Dreifaltigkeit Iserlohn entgegen und erinnerte daran, wie die Konferenz 1975 vor dem „Aus“ gestanden habe. Eine „Brandpredigt“ von Pfarrer Friedrich Gossmann habe dann zehn Männer aus dem Familienkreis veranlasst, in die Konferenz einzutreten und die Aktivitäten auszubauen.
Haus- und Krankenbesuche, Fahrdienst für alte und gehbehinderte Menschen, Geburtstagsbesuche bei den Männern der Gemeinde, aber auch die „Caritasche“ und der ökumenische Mittagstisch „Iss was“ werden von der Konferenz unterstützt. Und weil Not keine Grenzen kennt, leistet die Konferenz auch über die Gemeindegrenze hinaus vielfältige Hilfe, wie bei der Betreuung von Aussiedlern und Asylanten oder Kindern aus Tschernobyl.
Renate Brunswicker, stellvertretende Bürgermeisterin von Iserlohn, dankte den Ehrenamtlichen: „Unser Staat wäre nicht lebensfähig, wenn sich nicht so viele Menschen ehrenamtlich engagieren würden.“
Die Ehrenamtlichen lieferten etwas, das man heute nicht mehr bezahlen könne: Zeit. Rund einhundert Gäste, die aus dem ganzen Bundesgebiet angereist waren, nahmen an dem Jubiläums-Diözesantag teil.







