Erste Paderborner Sozialkonferenz setzt sich für konkrete Bekämpfung der Armut ein
Blick ins wahre Leben

- Der Paderborner Dechant Benedikt Fischer unterschrieb als erster die Paderborner Erklärung, hinter der auch die anderen Veranstalter der Sozialkonferenz stehen (v. l.): Superintendentin Anke Schröder, Norbert Zöller von der Kommende in Dortmund, und Astrid Bartols, Regionsvorsitzende des DGB. Foto: Auffenberg
Paderborn. Mit der Unterzeichnung der Paderborner Erklärung endete am vergangenen Samstag die erste Paderborner Sozialkonferenz „Hungern nach Gerechtigkeit“, zu der das Dekanat Paderborn, der Kirchenkreis Paderborn und der DGB Region Paderborn-Lippe-Höxter eingeladen hatten. Mehr als 190 Vertreter aus Kirche, Politik, den Gewerkschaften sowie verschiedene Initiativen nahmen daran teil. In der Erklärung fordern die Veranstalter unter anderem regelmäßige Sozialberichte für die Stadt Paderborn, um „hier Ausmaß und Folgen von zunehmender Armut, aber auch Wirksamkeit getroffener oder eingeleiteter Gegenmaßnahmen nachhaltig überprüfen zu können“.
von Claudia Auffenberg
Armut öffentlich zu machen und die Verantwortungsträger mit der Realität konfrontieren, das war nach Worten des Paderborner Dechanten Benedikt Fischer das Anliegen dieser ersten Sozialkonferenz. „Wer sich von der Realität anrühren lässt“, so Fischer, „der bringt auch wieder Kräfte auf, um sich einzusetzen.“ In manchen politischen Runden fehle ihm die Betroffenheit, weil die, die da sitzen, zu weit weg seien von der Realität.
Die Begegnung mit der wirklichen Armut war es auch, die die Kirchen und den DGB veranlasst hatten, diese zum Thema einer Fachkonferenz zu machen. Im Zuge der Hartz-Gesetzgebung nämlich seien die Gemeinden und andere Initiativen regelrecht überrannt worden, so Dechant Fischer. Kleiderkammern, Schulmaterialausgaben und die Tafeln waren auf einmal gefragt wie nie. „Da haben wir gemerkt, wir müssen das Thema bearbeiten.“
Einen Einblick in die Realität gewährte der Schulleiter der Paderborner Friedrich-von-Spee-Gesamtschule den Teilnehmern der Konferenz: In manchen Klassen kommen 60 Prozent der Kinder und Jugendlichen morgens ohne Frühstück zur Schule. Viele haben ihre Eltern zu dieser Zeit noch nicht gesehen. Und dass jeder Schüler einen Füller dabei hat, ist längst nicht selbstverständlich. „Wir brauchen dringend Schulsozialarbeiter“, so Strauß. An seiner Schule gibt es eine Sozialarbeiterin – für 1000 Schüler. Um sie einzustellen, hat Strauß auf einen Lehrer verzichtet, die Sozialarbeit geht also auf Kosten der Bildung. Dabei sieht der Schulleiter gerade an der Schule manche Einsparmöglichkeit: „Wir könnten Millionen sparen, wenn in München und Hamburg das gleiche Mathematik-Buch genutzt würde.“
Die Superintendentin des evangelischen Kirchenkreises Paderborn, Anke Schröder machte darauf aufmerksam, dass Armut Menschen nicht nur daran hindere, teure Dinge zu kaufen, sondern auch von gesellschaftlicher Teilhabe ausschließe. Hilfe für Arme müsse immer Hilfe zur Selbsthilfe sein, sagte sie. „Wir als Kirche müssen auf der Seite der Armen stehen“, so Schröder, „weil Gott das auch tut.“ Dieser Ansicht konnte Msgr. Thomas Dornseifer, Leiter der Hauptabteilung Pastorale Dienste im Erzbischöflichen Generalvikariat nur beipflichten: „Armut muss das Thema jeder Gemeinde sein!“
Aus dem Publikum wurden Dornseifer und Schröder aufgefordert, in den Gemeinden für einen Mentalitätswechsel zu sorgen – weg von den Spenden hin zur echten Betroffenheit. Es sei Aufgabe,
dies auch in der Verkündigung zu thematisieren und zum Beispiel konkret in den Predigten Vorurteile nach dem Motto „Wer arbeiten will, kriegt auch Arbeit“ entgegenzutreten.
Dass Armut in Paderborn auf der Tagesordnung bleibt und konkrete Schritte zur Bekämpfung unternommen werden, dafür wollen die Veranstalter sorgen. Die Paderborner Erklärung wird dem Paderborner Bürgermeister Heinz Paus übergeben. Dechant Fischer: „Wir werden nun genau beobachten, was sich in der Stadt und im Kreis Paderborn tut und in welche Richtung es sich bewegt.“ Und dann, so der Dechant gegenüber dem DOM, werde es zu gegebener Zeit eine zweite Paderborner Sozialkonferenz geben, um zu sehen, was sich bis dahin getan hat.






