Aktuelle Ausgabe
2012-20

In der Kommende ging es um nachwachsende Energieen und Nahrungsmittelpreise

Biosprit macht Hunger

Unternehmer Joan Hendrik Rüschkamp beschrieb Aktivitäten im Bereich „alternative Antriebe“. Foto: Piela

Dortmund. „Sprit statt Brot?“ Zu einem Hintergrundgespräch zu diesem brisanten wirtschaftspolitischen Thema hatte die Kommende in ihren Rittersaal eingeladen. Je ein Experte einer Bank, eines Unternehmens, eines kirchlichen Hilfswerkes und aus der Politik schilderten den rund 70 Gästen ihre Sicht und erläuterten, welche Rolle Biosprit beim Thema „Hunger in der Welt“ spielt.
Andrea Asch (MdL, Bündnis 90/Die Grünen), Sprecherin der Fraktion für Eine Welt: „850 Millionen Menschen hungern weltweit. Aktuell spitzt sich diese Situation nochmals dramatisch zu, weil die Nahrungsmittelpreise rapide ansteigen. Sie sind für Grundnahrungsmittel wie Reis, Weizen und Mais bis zu 57 Prozent gestiegen.“ Arme Bevölkerungsschichten in Schwellen- und Entwicklungsländen hätten bisher schon 80 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel aufbringen müssen. Jetzt könnten sie sich überhaupt nicht mehr ausreichend versorgen. Sie forderte, die Biosprit-Ziele der Europäischen Union müssten überprüft werden. Es sei sicherzustellen, dass deren Umsetzung nicht zu einer Verschärfung des Hungers beitragen würde. „Die Bekämpfung des Hungers hat Vorrang vor der Produktion von Biosprit.“ Unternehmer Joan Hendrik Rüschkamp vom Autohaus Franz Rüschkamp macht sich im Bereich „alternative Antriebe“ stark, bietet Autos in diesem Segment an und betreibt Tankstellen für neue Energiearten. Biosprit sei nicht die Lösung, aber eine Möglichkeit, vom Öl wegzukommen. Es sei eine Alternative nach Strom und neben gasförmigen Energiearten. Er sieht in der Produktion auf „verwüsteten“ Flächen eine große Möglichkeit. Biosprit aus Regenwald-Gebieten dagegen lehnt er als sinnlos ab. Er appellierte aber auch an das Fahrverhalten der Verbraucher und auch von den „Stahlkarossen“ gelte es, sich zu verabschieden.
„Wir müssen weg vom Öl“, forderte auch Dr. Richard Böger, Vorstandsvorsitzender der Bank für Kirche und Caritas in Paderborn. Sein Geldinstitut setzt auf „nachhaltige“ Geldanlagen. Biokraftstoffe aus Nahrungsmitteln seien nicht nachhaltig, weshalb die Bank auf Technologien der zweiten Generation setze. Er empfahl den Verzicht auf Rohstoffinvestments und plädierte für Agrarinvestitionen, die zur Ausweitung der Nahrungsmittelproduktion beitrügen. Sie seien sinnvoll und nachhaltig.
Dr. Bernd Bornhorst leitet die Abteilung Entwicklungspolitik und Lobbyarbeit des bischöflichen Hilfswerk Misereor: „Als Christen müssen wir uns fragen, in welcher Welt wollen wir leben?“ Wir versuchten, unsere Probleme auf Kosten der Dritten Welt zu lösen. „Wir reden von einem Riesen-Geschäft, von Business.“ Es gebe einen Riesen-Druck, der sagt, es müsse alles bleiben, wie es sei. Finanzen, Wirtschaft und Handel – da müsse hingeschaut werden. Der staatlichen Entwicklungspolitik warf er Versagen vor und forderte: „Wir brauchen Strukturveränderungen auf nationaler und internationaler Ebene.“ 
ip


18.05.2012
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