Aktuelle Ausgabe
2012-20

Mitarbeiterinnen des Altenwohnheim St. Josef in Hamm besuchten das örtliche Krematorium

Bestattungsriten wandeln sich

Mitglieder des Pflege- und Betreuungsteams im Altenwohnheim St. Josef besuchten das Hammer Krematorium. Martin Stricker führte durch die Einrichtung. Foto: Plamper

Hamm. Wie viele Traditionen unterliegen auch Bestattungsriten dem kulturellen und religiöse Wandel. Jeder Mensch ist anders, hat aufgrund seiner Lebensgeschichte bestimmte Anliegen und Vorstellungen von der Art und Weise, wie er bestattet werden möchte.

Im Altenwohnheim St. Josef in Hamm-Herringen gehen Mitarbeiter und Bewohnern offen mit dem Tod um. Gemeinsam mit der Heimleitung besuchten Mitglieder des Pflege- und Betreuungsteams im Rahmen einer Projektwoche zur Palliativpflege und Sterbebegleitung auch das örtliche Krematorium. Martin Stricker, stellvertretender technischer Leiter, führte durch die Einrichtung.
Für den Abschied vom Verstorbenen steht den Trauernden ein kleiner Andachtsraum mit Sitzgelegenheit und einem künstlerisch gestaltetem Redepult zur Verfügung. In einem Regal an der Wand sind verschiedene Gebetbücher zu finden. Darüber hängt ein schlichtes Kreuz. Auch in der christlichen Symbolik steht Feuer für den Sieg des Lebens über den Tod. Trotzdem ist in der katholischen Kirche eine Urnenbesetzung erst seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil möglich.
„Jede Einäscherung erfolgt einzeln“, betonte Stricker. Das werde vom Gesetzgeber ebenso verlangt wie die vorherige amtsärztliche Untersuchung des Verstorbenen. Damit später keine Verwechselungen bei der Asche vorkommen, wird zuvor eine Schamottemarke auf jeden Sarg gelegt. Die eingestanzten, fortlaufenden Nummern sind den persönlichen Daten der Verstorbenen zugeordnet und werden zusammen schriftlich festgehalten. Durch ein kleines Sichtfenster können die Mitarbeiter des Krematoriums den Einäscherungsvorgang in der computergesteuerten Anlage beobachten.
Asche und Schamottemarke werden in eine spezielle Kapsel gefüllt. Der stellvertretende Leiter zeigte den Teilnehmern eine schwarze Aschenkapsel. „Auf dem Metalldeckel sind die Daten des Verstorbenen ebenfalls eingestanzt“, erklärte er. Der Bestatter legt dieses Behältnis dann in eine von den Angehörigen gewünschte Schmuckurne.
Die Urnenbesetzung bietet dem Verstorbenen eine seinem Wunsch entsprechende individuelle Ruhestätte. Angehörigen, Freunde oder Bekannten können ihm dann beispielsweise auf dem Friedhof mit oder ohne Grabstelle oder in einem Kolumbarium auf ganz persönliche Art und Weise nahe sein. Auf dem Hammer Friedhof an der Birkenallee erfolgt auch die Bestattung in verrottbaren Urnen am Fuße der Bäume im dortigen Eichenhain.
Bei einer Seebestattung wird eine Urne aus wasserlöslicher Zellulose, Sand- oder Salzstein der See übergeben, erläuterte Stricker. Die Angehörigen können auf Wunsch der Seebestattung beiwohnen. Anschließend erhalten sie eine Seekarte mit Positionsangabe und einen Auszug aus dem Logbuch des Beisetzungsschiffes. Was bei der herkömmlichen Erdbestattung im Erdreich im Laufe von gut 25 Jahren durch die natürliche Verwesung passiert, dauert im Krematorium nur etwa drei bis vier Stunden.
 




18.05.2012
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