Aktuelle Ausgabe
2012-20

Behindertenhilfe des Caritasverbandes Brilon zu Gast bei Bürgermeister Schrewe

Behindertenfreundliche Stadt

Vertreter der Behindertenhilfe des Caritasverbandes, Vorstand und Geschäftsführung sowie Menschen mit Behinderung trafen sich zum Austausch mit Bürgermeister Franz Schrewe im Briloner Bürgersaal. Foto: Caritasverband Brilon e.V.

Brilon. Mit der Kampagne „Kein Mensch ist perfekt“ wirbt die Caritas im Jahr 2011 für eine neue Sichtweise von Menschen mit Behinderung. Wie relativ der Begriff „Behinderung“ ist, beweisen gerade in Brilon Menschen mit Behinderungen, die dort leben, arbeiten und sich auf verschiedenste Art in das Gemeindeleben einbringen.  

Die Zwischenbilanz der Jahreskampagne stellten nun Vertreter des Caritasverbandes Brilon sowie drei behinderte Beschäftigte im Rathaus der Stadt Brilon Bürgermeister Franz Schrewe vor. Caritas-Geschäftsführer Heinz-Georg Eirund sprach der Stadt dabei große Anerkennung aus, dass Brilon sich behindertenfreundlich und offen für alle Arten von Behinderungen zeige und in besonderem Maße auch die Vereine vor Ort dies mittragen.

Der Caritasverband Brilon bietet derzeit über 140 Menschen mit Behinderung eine Heimat im stationären Wohnen sowie 660 Beschäftigten mit Behinderung Arbeit in den insgesamt fünf Werkstattstandorten in Brilon und Marsberg. Darüber hinaus werden verschiedene Angebote im ambulant betreuten Bereich gemacht, die sich auf Wohnen, Arbeit und Freizeitgestaltung erstrecken.

Eirund betonte, dass Menschen mit einer Behinderung nicht nur als Kostenfaktor gesehen werden dürften. Gerade in Brilon schaffe die Behindertenhilfe auch Arbeitsplätze und realisiere Bauvorhaben im gesamten Altkreis. Die Stadt erlebe man dabei stets als Solidaritätspartner, so Eirund.

Eine der herausragenden Aktionen der Behindertenhilfe schilderte Werkstattleiter Engelbert Kraft. Im Rahmen des alljährlichen Europäischen Protesttages gegen die Ausgrenzung von Menschen mit Behinderung war der Caritasverband Brilon mit einem Aktionsstand zum Briloner Autosalon Anfang Mai vertreten. Mit verschiedenen Thesen zu den Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderung war man mit zahlreichen Passanten in Dialog getreten.

Hans-Joachim Freund, Beschäftigter in den Caritas-Werkstätten und Klient des ambulant betreuten Wohnens, war am Aktionsstand mit dabei. Er berichtete von den fast ausschließlich positiven Rückmeldungen vor Ort. Auf den sogenannten Inklusionstafeln der Aktion Mensch waren Thesen von „Behinderte Menschen können entscheiden, wo und mit wen sie wohnen möchten“ bis zu „Behinderte Schüler beeinträchtigen nicht das Lerntempo von Schülern ohne Behinderung“ zu lesen, für die grüne Punkte als Zustimmung und rote Punkte als Ablehnung verteilt werden konnten. Nicht immer war die Entscheidung schnell gefällt. Oftmals regten die Formulierungen auch zu kontroversen, aber auch konstruktiven Diskussionen an – ganz so, wie sich die Lebenswelt für Menschen mit Behinderung eben gestaltet.

Die Beschäftigten und Bewohner der Behindertenhilfe zeigten dabei, dass sie sich selbst gut für sich und ihre Belange einsetzen können. „Viele der Passanten hatten sich bereits zu den Themen Gedanken gemacht und wir haben dann gemeinsam viele Überlegungen angestellt“, erzählte Hans-Joachim Freund. 

Mit den verschiedenen Aktionen über das Jahr 2011 verteilt, soll das Thema Inklusion vor allem nachhaltig in den Köpfen der Menschen verankert werden und darüber hinaus für entsprechende Auswirkungen im Zusammenleben und den Rahmenbedingungen der Menschen mit Behinderung sorgen. 

Dazu gehört auch die „Vereinsarbeit“, die der Caritasverband Brilon anbietet: mithilfe einer Mitarbeiterin für Ehrenamt werden Vereine dabei begleitet, wenn sie sich für Menschen mit Behinderung öffnen möchten. „Dass dieses für die Vereine auch ein besonderes Maß an zusätzlicher Lebensfreude bedeutet, möchten wir gerne deutlich machen“, so Eirund.

Das konnte auch Bürgermeister Franz Schrewe bestätigen, der nicht nur am alle zwei Jahre stattfindenden Schützenfest für Menschen mit und ohne Behinderung teilnimmt, sondern auch als Sitzungspräsident beim schon traditionellen Caritas-Karneval in Scharfenberg immer wieder selbst sehr viel Freude erlebt: „Schützenfest und Karneval sind auch für Menschen ohne Behinderung eine große Nummer hier in der Region.“

Für die kommenden Monate hat der Caritasverband Brilon noch einiges in Sachen Inklusion vor. So ist ein Kunstprojekt mit dem Madfelder Künstler Boris Sprenger geplant sowie ein Musikprojekt mit dem Chorverband.

 

 


18.05.2012
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