Aktuelle Ausgabe
2012-20

Bundesverdienstkreuz 1. Klasse für die „Heggefrauen“ Therese und Dr. Anna Ulrich

„Außerordentliche Leistungen“

NRW-Bildungsministerin Barbara Sommer (Mitte) überreichte den Gründungsmitgliedern des Christlichen Bildungswerks „Die Hegge“ Dr. Anna Ulrich (l.) und Therese Ulrich das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.Foto: Reinhardt

Willebadessen-Niesen. Mehr als 50 Jahre lang haben sie das Christliche Bildungswerk „Die Hegge“ in Willebadessen Niesen geprägt und sich weit darüber hinaus Verdienste erworben. Dafür hat Bundespräsident Horst Köhler den beiden Schwestern Therese und Dr. Anna Ulrich das Bundesverdienstkreuz
1. Klasse verliehen. NRW-Bildungsministerin Barbara Sommer überreichte ihnen die Auszeichnung in einer Feierstunde in der Hegge.

Die Auszeichnung werde aufgrund „außerordentlicher Leistungen für den Wiederaufbau Deutschlands und eine politische, kulturelle, soziale und geistige Neuorientierung nach dem Zweiten Weltkrieg“ verliehen, sagte Ministerin Barbara Sommer und sprach von einem „Lebenswerk, das uns alle beeindruckt“. Sommer würdigte die Verdienste der Hegge für eine qualifizierte Erwachsenenbildung als einen Ort der Verständigung und Standortbestimmung für Bürger, die sich ihrer gesellschaftspolitischen und sozialethischen Verantwortung vergewissern möchten. Sie hob hervor, dass die Hegge mit ihrem hohen, zertifizierten Qualitätsanspruch für die Zukunft gut aufgestellt sei.
Die Weichen gestellt haben dafür – neben den verstorbenen Gründerfrauen – die Schwestern Therese Ulrich und Dr. Anna Ulrich. „Therese Ulrich erhält die Auszeichnung des Bundespräsidenten für ihre über fünfzigjährige Tätigkeit auf der Hegge als Dozentin und Leiterin der Bildungsarbeit“, sagte die Ministerin. Dr. Anna Ulrich wurde von Sommer gelobt für ihre Verdienste um den Aufbau und die Leitung des Hegge-Kollegs in Bochum, eines internationalen Studentenwohnheims. „Hier wurden junge Menschen in einer wichtigen, prägenden Lebensphase von den Heggefrauen angeleitet, die kulturellen, sozialen und religiösen Unterschiede untereinander wahrzunehmen und Brücken zu bauen“, sagte die Ministerin. 
Die beiden Geehrten dankten Barbara Sommer für die Auszeichnung und gaben den über 70 geladenen Gästen, überwiegend Freunde, Weggefährten und Dozenten der Hegge, einen Einblick in die Geschichte und Entwicklung der Hegge. Dabei wurde das Anliegen der Frauenkommunität deutlich, die sich 1945, inmitten der materiellen und geistigen Trümmer des Krieges, in Paderborn zusammengefunden hatte: Aufgrund der Einsicht, dass der geistige Zusammenbruch Deutschlands nicht zuletzt auf das Versagen der Akademiker zurückzuführen war, gründeten die jungen Frauen unter der Leitung von Prof. Dr. Theoderich Kampmann noch im Kriegsjahr die Hegge-Gemeinschaft, eine katholische Frauenkommunität benediktinischer Prägung, die sich der Aufgabe christlicher Erwachsenenbildung verschrieb. In dieser Absicht gründeten die Heggefrauen unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg die erste katholische Akademie in Deutschland, das Christliche Bildungswerk „Die Hegge“, das von Anfang an in ökumenischer Perspektive arbeitete und – für diese Zeit ungewöhnlich – in der Verantwortung von Frauen stand.
In einer Festrede dankte Prof. Dr. Walter Schrader aus Paderborn als jahrzehntelanger Vorsitzender des Freundeskreises den Heggefrauen „für die Atmosphäre geistiger Offenheit, in der sich Menschsein formen kann“.
Prof. Dr. Dr. Knut Ipsen hob als ehemaliger Rektor der Universität Bochum hervor, wie das pädagogische Konzept des Hegge-Kollegs sich wohltuend unterschied vom pädagogischen Mainstream der damaligen staatlichen Studentenwohnheime: „Der Erfolg hat Ihnen vollkommen Recht gegeben.“ Studenten bräuchten menschlichen Austausch und freundschaftlichen Kontakt an ihrem Wohnort. Die musische Freizeitgestaltung und Einübung sozialer Kompetenz sei dem Studium keineswegs abträglich – wie man damals noch annahm –, sondern unterstütze und fördere die wissenschaftliche Qualifikation.
Der pädagogische Leiter der „Hegge“, Michael Gennert, und Oberin Dorothee Mann betonten, die Ehrung gelte allen, die in den mehr als sechs Jahrzehnten an der Hegge gewirkt hätten.


18.05.2012
Impressum | Kontakt
4002