Mitarbeiter der Telefonseelsorge schöpfen Ermutigung aus ihrem Glauben
Aus Jesus wächst Kraft
„Ohne mich vermögt ihr nichts“. So etwas kann kein Mensch von sich behaupten. So etwas kann höchstens Jesus von sich sagen. Kann er das oder macht sich da selbst Gottes Sohn zu wichtig? Das ist eine Frage an vier Mitarbeiter der Ökumenischen Telefonseelsorge Westsachsen, was sie mit Blick auf ihren Dienst der Nächstenliebe von dieser Aussage Jesu halten. Ihre Antworten reichen von klarer Bestätigung bis zu Zustimmung mit Einschränkungen.
von Gert Friedrich
Annerose B.:
„Für meinen Dienst am Telefon ist es sehr wichtig, dass ich Schlüsselfragen für mich geklärt habe. Welchen Sinn hat das Leben oder was erwartet mich nach dem Tod? Solche Themen treten auf und irgendwann muss sich jeder einmal damit auseinandersetzen. Ich kann letztlich nur aus meinem Glauben an Jesus Christus heraus eine Antwort finden, die mir tiefe Geborgenheit vermittelt und echte Gelassenheit schenkt. Deshalb stimme ich dem Satz zu: Ohne mich vermögt ihr nichts!
In einer entscheidenden Lebenssituation habe ich selbst einmal Hilfe durch ein Gespräch mit einem Seelsorger erfahren. Das Reden entlastete, der Rat lenkte mein Leben in eine gute Richtung. Das abschließende Gebet für mich zeigte mir, dass der Seelsorger sich bewusst war, auf Jesus angewiesen zu sein, dass er in einer Haltung lebte, die dieser Aussage von Jesus Christus zustimmt: Ohne mich vermögt ihr nichts! Angeregt durch die Hilfe, die ich selber von Gott und Menschen erfahren habe, habe ich mich für eine Ausbildung bei der Telefonseelsorge entschieden, um für andere Hilfe und Wegweisung zu sein, Ermutigung, mitfühlendes Gegenüber oder einfach nur offenes Ohr am anderen Ende der Leitung. Das alles vermag ich nicht allein.“
Andrea R.:
„Es gibt Telefonseelsorger, die ohne christlichen Glauben auskommen und genauso wertvolle Arbeit leisten. Ich persönlich brauche die Beziehung zu Jesus Christus, weil daraus Kraft wächst, zuzuhören, das Gespräch zu gestalten, zu trösten und Verständnis zu haben. Ich denke da an die Begegnung mit der Ehebrecherin. Ehebruch war etwas Anrüchiges. Trotzdem zeigte Jesus Verständnis und verlangte es von den Mitmenschen – wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein. In den Telefongesprächen höre ich auch Dinge, bei denen ich innerlich spontan mit Befremden oder Ablehnung reagiere, mit denen wir uns als Menschen schwertun. Aber das Beispiel Jesu erinnert daran, dass wir nicht mit unserem Maß messen sollen. Es weckt wieder das Verständnis und andere Sichtweisen.
Und ich brauche die Kraft eben auch, um ein möglichst gutes Gespräch zu führen. Man fühlt sich nicht immer fit. Vor den meisten Diensten halte ich inne und bitte um Kraft, dass ich die richtigen Worte finde, dass die Gespräche hilfreich sind, ein bisschen was hängenbleibt, dass der Anrufer spürt, ich werde ernst genommen.“
Wilfried G.:
„Im engen kirchlichen Bereich, bei der Verkündigung oder bei Beichtgesprächen zum Beispiel, braucht man wirklich Jesus. Da trifft auch das Gleichnis mit dem Weinstock hundertprozentig zu. In der Telefonseelsorge haben wir es in der Mehrheit mit Nichtchristen zu tun. Sie erwarten meist Rat, Trost, Antworten auf Lebensfragen. Ihnen kann auch jemand helfen, der aus einem anderen Umfeld kommt. Wenn ich Dienst habe, dann geschieht das aus meinem Glauben heraus. Er hat mich, meine Vorstellungen geprägt. Ich versuche zu erspüren, ob es bei dem Anrufer einen Anknüpfungspunkt, eine Beziehung zum christlichen Glauben gibt. Ein Beispiel: Nachts ruft eine Frau an, die Krebs hat und vor Schmerzen nicht schlafen kann. Auf die Frage, wie sie ihr Ende sieht, erzählt sie von einem Gespräch mit dem Krankenhaus-Seelsorger, davon, dass sie danach Mut hatte, häufiger Kontakt zu ihrem Ortspfarrer aufzunehmen. Diese Prägung, die Heilung aus dem Glauben heraus gibt dem Gespräch eine andere Note. Dort liegt im Übrigen auch die Wurzel der Telefonseelsorge. Der Auslöser waren Selbsttötungen und das christliche Empfinden, Menschen, die in Gefahr sind, sich das Leben zu nehmen, zu helfen. Die Ärztliche Lebensmüdenbetreuung, wie sie anfangs hieß, bot nach eigenen Worten biblische, menschlich warme Seelsorge an. Dieser Ausgangspunkt spielt in der Ausbildung auch heute eine wesentliche Rolle: Christus nimmt uns an, schenkt uns Wärme, und wir wollen sie weitergeben.“
Heidrun J.:
„Ich sehe das differenziert. Für das Heil des Menschen, wie wir es als Christen verstehen, für das Heil über das irdische Leben hinaus ist der Zugang zu Jesus Christus unbedingt notwendig. Das vermögen wir tatsächlich nur mit ihm zu erreichen. Es gibt Gespräche, die so tief gehen. Und dann empfinde ich es als Geschenk, dass ich als Christ am Telefon sitze und um dieses Heil weiß. In anderen Gesprächen geht es um die Heilung von weltlichen Problemen, Leiden – um die Heilung der Beziehung zum Geld oder zu Mitmenschen zum Beispiel. Wer das nötige Wissen hat, wer um seine eigene Person weiß und in der Lage ist, so ein Gespräch zu lenken, der kann auch ohne den Hintergrund des Glaubens etwas zu dieser Heilung bewegen.
Es gibt Menschen, die sind für den Himmel gerettet, glauben aber, dass ihnen das Irdische vom Himmel fällt, und ihr Leben läuft dann aus dem Ruder, sie sind hier auf Erden heilungsbedürftig. Und es gibt Menschen, die haben keinen Zugang zu dem Heil durch Christus, meistern aber ihr Leben, leben wertschätzende, menschliche Wertvorstellungen und können das heilend weitergeben.
Als Christ bin ich in der besonderen Situation, dass ich aus Glaube, Hoffnung und Liebe einen großen Motivationsschub erfahre. Ich bin geliebt und möchte die Liebe Gottes weitergeben.“







