Aktuelle Ausgabe
2012-20

Historische Seppeler-Kapelle wird professionell restauriert

Auferstehung eines Kleinods

Eingerüstet: Das originale Bruchsteinmauerwerk der Seppeler-Kapelle wird gereinigt und mit neuem Putz versehen, den Restaurator Jochen Koeniger anrührt. Bis Christi Himmelfahrt soll die Kapelle in neuem Glanz erstrahlen.

Verl. Jane Harmeling hat einen spannenden Beruf. Gemeinsam mit ihrem Chef, dem Restaurator und Kunsthistoriker Dr. Christoph Hellbrügge und ihrem Kollegen Jochen Koeniger ist die Restauratorin zurzeit dabei, die Seppeler-Kapelle neben dem Droste-Haus in Verl-Bornholte nicht nur zu verschönern, sondern für die Nachwelt zu sichern. Es ist einiges zu tun.  

von Hubertus Ebbesmeyer

Jane Harmeling ist mit einem Skalpell bewaffnet und legt im Innern der Kapelle Zentimeter für Zentimeter der Farbschichten frei. Von der oberen Dispersionsfarbenschicht arbeitet sie sich Millimeter für Millimeter in die Tiefe durch. „13 Farbschichten sind es in der Kapelle", sagt sie, vier weitere Schichten weise die Außenhaut des Gebäudes auf. Als Restauratorin wisse man nie, was sich unter den nächsten Schichten verberge. Im Fall der Seppeler-Kapelle ist sie bereits auf Kritzeleien und rotbraune Buchstaben- und Zahlenfolgen gestoßen, die die Fachleute als „Rötel-Grafitti“ bezeichnen.
Mal ist da neben einem hellblauen Farbfeld die Jahreszahl 1754 zu lesen, woanders die Ziffernfolge „1776“, mal gibt es Kritzeleien in Sütterlinschrift. „Mit ihren Inschriften haben die Pilger früher bezeugt, dass sie hier gewesen sind und gebetet haben“, erklärt Harmeling.
Neben dem Freilegen der Farbschichten widmen sich die Fachleute aus Ascheberg im Innern des Sakralgebäudes auch dem Verfüllen der Risse. Besonders jener unterhalb der Fenster. „Die entstanden etwa durch das Sich-Setzen des Gebäudes“, weiß Christoph Hellbrügge, dessen Mitarbeiter sich den Altar ebenso vornehmen werden wie die Stufen und den Türbogen des Eingangs.
Schon vor einiger Zeit wurden zwei Birken links und rechts neben der Kapelle gefällt, damit deren Wurzeln das Gebäude nicht weiter schädigen. Denn auch im Außenbereich haben sich unter dem bisherigen Putz deutliche und breite Risse im Mauerwerk gebildet.
Der abbröckelnde Putz wird abgeklopft. Zum Vorschein kommt das originale Bruchsteinmauerwerk, das gereinigt und alsdann mit neuem Putz versehen wird. Dieser Arbeit widmen sich Christoph Hellbrügge und Joachim Koeniger. „Der neue Putz besteht aus Trasskalk, grobem Wesersand, Billerbecker Kalk und aus rotem Sand“, erklärt sagt Koeniger. Das Mischungsverhältnis der Zutaten will er indes nicht verraten: „Betriebsgeheimnis“, schmunzelt Hellbrügge.
Die historische Pietà, die ihren Platz auf dem Altar hatte, wie auch die Holztür der Kapelle sind beim Bauhof eingelagert. Über die Aufarbeitung der Skulptur muss sich die politische Gemeinde Verl noch mit dem Denkmalamt in Münster abstimmen.
Die Arbeiten an der Seppeler-Kapelle werden bis Christi Himmelfahrt dauern, schätzt Hellbrügge. „Ist eben alles Handarbeit. Außerdem müssen wir gewisse Reaktionszeiten des Materials berücksichtigen.“ Die politische Gemeinde hat 30000 Euro für die Arbeiten an dem historischen Zeugnis ländlicher Frömmigkeit eingeplant.


18.05.2012
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