Aktuelle Ausgabe
2012-20

Wenn mal wieder Pilger an seine Tür klopfen, erlebt Pfarrer Uwe Schläger die tollsten Geschichten

Auf dem Weg zum Glauben

Pilger Christian Sapok mit Pfarrer Uwe Schläger. Foto: Niggenaber

Geseke. Hut, Regencape, festes Schuhwerk – und über die Schultern ragt ein mächtiger Rucksack: Es gibt Tage, an denen erkennt Pfarrer Uwe Schläger das Anliegen seiner Besucher bereits beim Blick durch den kleinen Türspion. So auch heute, als Christian Sapok aus Hagen ihn kurz darauf um einen Stempel der St.-Petri-Gemeinde bittet. Wie den 26-Jährigen verschlägt es in letzter Zeit immer mehr Pilger in die beschauliche Hellwegstadt. Und im Gepäck, das weiß Uwe Schläger mittlerweile aus eigener Erfahrung, „haben die Pilger in der Regel ganz abenteuerliche Geschichten und große Pläne“.

von Stefan Niggenaber 

Auch Christian Sapok hat sich erst gerade in ein echtes Abenteuer gestürzt. Und zudem einen festen Plan geschmiedet: Zu Fuß möchte der Student aus Hagen den Jakobsweg bis nach Santiago de Compostela gehen. Eigentlich starte man ja von Zuhause aus, weiß der angehende Lehrer aus Recherchen. Aber er habe ein markantes, religiöses Zentrum gesucht, sei dabei auf Paderborn gestoßen, um sich von dort aus auf seinen etwa 3000 Kilometer weiten Weg zu machen. 

Christian Sapok atmet tief durch, ist sichtlich aus der Puste. Gut 20 Kilometer habe er nun erst hinter sich – und dabei schon die erste tolle Erfahrung gemacht.

„Eigentlich wollte ich bei den Franziskanerinnen in Salzkotten nur kurz zur Toilette“, erzählt er. Kurzerhand habe man ihn jedoch auch gleich verköstigt, ihm sogar noch ein  Lunchpaket mit auf den Weg gegeben. Genau solche Erfahrungen seien es, die auch bei Nieselwetter und Wind schon jetzt Lust auf mehr machten. Und überhaupt, langweilig werde es ihm beim Pilgern sicherlich nicht: „Man trifft viele Leute, kommt mit Menschen in Kontakt“, da könne man doch nur gewinnen. 

Außerdem sei er bei seinem langen Weg auf der Suche nach etwas ganz Besonderem: seinem Glauben. „Ich bin zwar schon christlich erzogen worden, habe aber das Gefühl, dass ich durch diesen Weg zu einem stärkeren Glauben finden könnte.“ Zudem sei das Pilgern von nun an seine ganz persönliche Art, Urlaub zu machen. „Ich bin schon immer gerne gewandert. Ich denke während des Laufens viel nach, reflektiere meine Erinnerungen. Das macht mir einfach Spaß und treibt mich immer wieder an.“ Ein Strandurlaub mit dem Ferienflieger –  „nein, nein“, das sei nichts für ihn. Aufteilen möchte Christian Sapok seinen beschwerlichen Weg nach Santiago de Compostela in mehrere Etappen. In diesen Semesterferien sei das knapp 150 Kilometer entfernte Wetter an der Ruhr sein Ziel, das Zeitfenster: eine Woche. Sobald das Pilgern ihn dann wieder packe, gehe es per pedes sofort weiter Richtung Köln. Und von dort aus immer weiter nach Spanien. 

Von seinen ersten Erfahrungen und der Geseker Gastfreundschaft begeistert, macht sich Christian Sapok schließlich wieder auf den Weg. Es nieselt immer noch, der Wind fegt erstes Herbstlaub über den Geseker Marktplatz. Uwe Schläger steht in der Tür, winkt seinem Kurzbesucher hinterher. Und ist schon jetzt gespannt auf den nächsten Blick durch seinen Türspion und mehr spannende Geschichten.

 

 


18.05.2012
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