Die Tafeln der Region im Sommer
Auch in den Ferien muss man essen
Werl. Auf den ersten Blick erinnert der Raum an einen dieser altmodischen Tante-Emma-Läden: Klein und eng, die Regale an den Wänden vollgestopft mit Schlagsahne, Brot, Eiern, Kaffee, Marmelade, auf dem Boden stehen Kisten mit Obst. Über einen Thresen hinweg reicht Rosemarie Zywek die Waren. Doch die lange Warte-Schlange im Flur verrät, dass dies kein gewöhnlicher kleiner Laden ist. Es ist der Ausgaberaum der Werler Tafel. Die macht auch im Sommer keine Betriebsferien.
Wir wissen, dass die Leute uns brauchen“, erklärt Georg Karbowski vom Caritasverband im Kreis Soest, warum die Werler Tafel ganzjährig geöffnet hat. An zwei Tagen in der Woche werden in einem Kellerraum des Caritaskaufhauses jeweils rund 60 Bedürftige mit Lebensmitteln versorgt. „Der Zulauf ist so groß, dass wir mittlerweile sogar schon über einen dritten Öffnungstag nachdenken“, verweist Karbowski auf seine Pläne. Nicht einmal im Sommer sei ein Einbruch der Zahlen zu spüren.
„Im Urlaub muss ja schließlich auch gegessen werden“, findet Dr. Heinz-Werner Hartfiel deutliche Worte für eine Erklärung. Der Vorsitzende der Tafel in Hamm berichtet, dass dort von Montag bis Freitag gut 2000 Tüten ausgegeben würden. Tendenz steigend. „Die Armut nimmt stetig zu, die kennt auch keine Saison“, nimmt Hartfiel Bezug darauf, dass die Tafel vor neun Jahren mit „nur“ 300 Menschen startete. Und dass im Sommer genau so viele Menschen kämen wie im Frühling oder Herbst. „Hartz-IV-Familien machen nun mal keinen Urlaub“, so Hartfiel, deswegen bleiben wir für die auch in den Sommerferien geöffnet. Anders sieht es da bei der Tafel in Soest aus. Gut 300 Tüten packen die ehrenamtlichen Helfer dort an den drei Öffnungstagen. Aber nicht im Sommer. „Da schließen wir für drei Wochen“, sagt Tafel-Organisatorin Ursula Schulze zur Wiesch. Das sei in Soest gängige Praxis und bislang immer so gehandhabt worden. Die Kunden seien daher auch darauf eingestellt. „Wir wollen unseren Mitarbeitern, von denen viele Kinder haben, Zeit für Urlaub ermöglichen“, begründet Schulze zur Wiesch diesen Schritt. Außerdem komme in den Ferien ohnehin weniger von den Händlern. „Die bestellen wohl weniger, weil durch die Urlaubszeit weniger Menschen einkaufen“, mutmaßt die Organisatorin.
Dies kann auch Heinz-Werner Hartfiel in Hamm bestätigen. „Wir merken schon, dass die Geschäfte im Sommer genauer kalkulieren und deshalb auch weniger liefern“, sagt er. Reichen würden die Waren dennoch, sodass noch niemand habe weggeschickt werden müssen. In Lippstadt werde der Unterschied vor allem beim Obst deutlich, sagt Georg Karbowski, der auch für diese Tafel verantwortlich zeichnet: „Da liegt weniger in den Läden, also kommt auch weniger zu uns.“ Dies könne allerdings auch daran liegen, dass die neu gegründete Tafel noch nicht so viele Kontakte habe, schränkt er ein.
Im Sommer schließen werde sie jedoch auch nicht. „Wir haben in beiden Städten genügend ehrenamtliche Mitarbeiter, um allen Urlaub zu ermöglichen und den Betrieb am Laufen zu halten“, so Karbowski. In Hamm gebe es damit ebenfalls keine Probleme, sagt der Tafel-Vorsitzende Hartfiel. Doch auch in Soest stehen vielleicht Änderungen an. „Wir überlegen, das umzustellen“, sagt Ursula Schulze zur Wiesch über die drei Urlaubswochen.
Birger Berbüsse







