Aktuelle Ausgabe
2012-20

Kommentar

Arbeiten im Grenzbereich

von Andreas Wiedenhaus 

Angesichts der aktuellen Diskussionen um den Euro-Rettungsschirm sowie drohende Finanz- und Wirtschaftskrisen scheint der einzelne Arbeitnehmer immer mehr in den Hintergrund zu geraten. Das Schlagwort vom „Humankapital“, das ganz im Sinne der wirtschaftlichen Interessen „verwendet“ werden kann, ist aktueller denn je.

Auf alarmierende Auswüchse haben in diesem Zusammenhang die neue KAB-Bundesvorsitzende Sabine Schiedermair und der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff hingewiesen: Schiedermair hat das zunehmende „immer schneller, immer mehr“ in der Arbeitswelt kritisiert: Die aktuellen „Burnouts“ Prominenter seien nur die Spitze des Eisbergs. In der Arbeitswelt würden Energie und Güter bedenkenlos verbraucht.

Bischof Mussinghoff hat die starke Zunahme von Minijobs als nicht hinnehmbar bezeichnet. Der Trend in Unternehmen, reguläre Arbeitsplätze in Minijobs aufzuspalten, müsse ein Ende haben, mahnte er. Sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze müssten die Regel sein, so der Aachener Bischof.

Selbst wenn heute die meisten Beschäftigten noch über solche „normalen“ Arbeitsplätze verfügen und sie trotz steigender Belastungen keinen „Burnout“ zu fürchten haben, könnte es sein, dass „Arbeiten im Grenzbereich“ – hart an der Belastungsgrenze oder zu Dumpinglöhnen – immer mehr zum Normalfall wird. 

Fragt sich, wer dieser Entwicklung gegensteuern will oder kann: In einer Zeit, in der „die Märkte“ diejenigen zu sein scheinen, um die man sich kümmern muss, haben die Politiker anderes zu tun, als die Arbeitnehmerinteressen im Auge zu behalten. 


18.05.2012
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