Tagung zu Perspektiven der Caritasarbeit in Dortmund
Anreize für junge Menchen schaffen
Dortmund. Das Ehrenamt – eine freiwillige und zugleich notwendige Einrichtung. Gerade in sozialen Bereichen wie auch im Umfeld der Kirchengemeinden wären viele Projekte ohne ehrenamtliche Helfer nicht möglich. Die Caritas in Dortmund gestaltet mit ihren rund 1500 ehrenamtlichen Mitarbeitern den sozialen Dienst am Nächsten.
von Anna Petri
Seit einiger Zeit zeichnet sich jedoch eine deutliche Tendenz ab, dass ehrenamtlich tätige Caritas-Konferenzen aufgrund erhöhter Nachwuchsprobleme ihre Arbeit in den Kirchengemeinden einstellen müssen. Unter dem Thema: „Nah am Nächsten?!“ trafen sich deshalb Vertreter aus Pastoralverbünden und Caritas-Konferenzen zu einer Fachtagung. Ziel solle es laut Manfred von Kölln, dem Abteilungsleiter Soziale Dienste, sein, vor allem Zukunftsperspektiven im Hinblick auf die ehrenamtliche Arbeit in den rund 60 Kirchengemeinden in Dortmund aufzuzeigen, um auf die Rückläufigkeit ehrenamtlicher Mitarbeiter zu reagieren. Ohne ehrenamtliche Mitarbeiter fehle der Caritas ein wichtiges Gerüst in den Gemeinden.
Paul Becker, Koordinator für Caritas und Dekanat, sieht einen entscheidenden Grund für diesen Rücklauf im hohen Durchschnittsalter der ehrenamtlich tätigen Caritas-Konferenzen. Daher ist es laut Becker zentrale Aufgabe der Caritas, Anreize für junge Menschen zu schaffen, sich sozial in Gemeinden zu engagieren.
Ähnlich sieht es auch Angelika von Kölln, Gemeindereferentin des Pastoralverbundes Dortmund-Ost. Ein wichtiger Ansatz sei in den sozialen Nöten von Betroffenen zu finden. In den einzelnen Gemeinden müsse genau geschaut werden, wo welche Form von Hilfe nötig sei, um ausgehend davon neue Gruppen und Formen sozialer Dienste zu entwickeln. Als Beispiele nennt von Kölln Hausaufgabenbetreuung und Mittagstische für Kinder, sowie Betreuungs-, Besuchs-, und Begleitdienste für alte Menschen.
Wenn neue inhaltliche Formen geschaffen wären, könne man konkret ehrenamtlich Interessierte ansprechen und für die eine oder andere Tätigkeit begeistern. Der Dienst am Nächsten sei die zentrale Aufgabe der Caritas. Auch wenn sich die Strukturen der Kirche in den vergangenen Jahren verändert haben, sei es nach wie vor oberstes Ziel der Kirche, bei den Menschen und für die Menschen da zu sein.
Georg Rupa, Vorstandsvorsitzender des Caritasverbandes Dortmund e.V., der die Fachtagung eröffnete, sieht ebenfalls in der Neugestaltung des ehrenamtlichen Engagements eine wichtige Aufgabe der Caritas-Konferenzen. Dennoch empfindet er die Situation weniger bedrohlich. Mit ihren etwa 1500 ehrenamtlichen Mitarbeitern in den Konferenzen sei die Caritas nach wie vor einer der größten Träger ehrenamtlicher Arbeit.
Weitaus kritischer betrachtet Michael Ortwald die Situation. Der Caritaspfarrer und Leiter des Pastoralverbundes Huckarde-Deusen stieß mit seinem Impulsreferat über die „Patientin Caritas“ im Laufe der Veranstaltung nicht nur auf Zustimmung. Während sich viele Teilnehmer über seine Darstellung der Caritas als Patientin mit ernsthaften Erkrankungen wie „fortschreitender Antriebsschwäche“ oder Aussagen wie „Aufgrund des pfarrgemeindlichen Umfelds liege die Patientin Caritas im diakonischen Koma“ amüsierten, reagierten einige durchaus empört und verteidigten die aktive Arbeit der Caritas.
Doch Ortwald brachte in seinem Referat das zentrale Problem der Caritas auf den Punkt. Wenn besonders die Kirchengemeinden jetzt nicht daran arbeiteten, neue Anreize zu schaffen, bestehe die Gefahr, dass bald weitaus weniger ehrenamtliche Caritas-Konferenzen bestünden. Eine besondere Verantwortung sieht Ortwald gerade bei den Kirchen, die vielfach dazu neigten, an alten Strukturen festzuhalten.
Die Hauptfrage der Tagung, wie es zukünftig mit der Caritas weitergehen sollte, beantwortete Ortwald ähnlich wie Angelika von Kölln. Es gehöre zu den wichtigsten Anforderungen an die Caritas, in Bewegung zu bleiben, über neue Inhalte nachzudenken und auf die sich verändernden Strukturen zu reagieren. Nur dann sei es möglich, in den Kirchengemeinden auch wieder jüngere Menschen für die Ausübung ehrenamtlicher Tätigkeiten zu begeistern.







