Aktuelle Ausgabe
2012-20

Ehemaliger Lehrer schreibt Buch zur Schulgeschichte Paderborns

Als Schulen „Spilunken“ ähnelten

Eine „Kleine Paderborner Schulgeschichte“ hat Theodor Fockele (r.) geschrieben. Dr. Detlef Grothmann, Dr. Norbert Börste und Bonifatius-Verlagsleiter Dr. Michael Ernst (v. l.) haben das Buch in die Reihe „Geschichte eingekreist: Westfalen“ aufgenommen. Foto: Beyel

Paderborn. „Die Schullokale sind nirgends schlechter als in der Kreishauptstadt“, schrieb der Paderborner Kreisphysikus Dr. Herrmann Joseph Schmidt in einem Quartalsbericht an die Regierung im Jahr 1838. „Die 3 Lokale der Dom-Knabenschule gehören zu denjenigen Gemächern, die einer Spilunke ähnlicher sehen als einem Aufenthalt reputierlicher Christenkinder.“ Einen Einblick in interessante Details der Entwicklung von Schulen wie auch einen Überblick bietet die neu erschienene „Kleine Paderborner Schulgeschichte“.

 

von Carolin Beyel

 

Das Buch beschreibt kurz und prägnant die Geschichte des Schulwesens der Stadt Paderborn von den Anfängen mit der karolingischen Domschule im Jahr 799 bis heute.

Der Autor Theodor Fockele war selbst Lehrer in Paderborn und ist Mitinitiator des Schulmuseums. Der 83-Jährige, der 1931 eingeschult wurde, erinnert sich gerne an seine Schulzeit zurück. Die Klassen bestanden zwar meist aus 70 Schülern, doch so mussten die Kinder lernen selbstständig zu arbeiten. Heutzutage geht der Trend zur Ganztagsschule, in der die Schüler individuell oder in kleinen Gruppen bei den Hausaufgaben betreut werden. Darin sieht der Pädagoge eher einen Nach- als einen Vorteil. Er sehnt sich nach der damaligen Zeit zurück: „Früher lernte man noch das Lernen.“

Zur Illustration des Buches wählte Theodor Fockele Fotos und Zeichnungen alter, zum Teil nicht mehr existierender Schulgebäude. Die Grafiken fertigte der Autor selber nach alten Plänen und Bauzeichnungen oder alten Postkarten an. „Dadurch wurde im Stadtarchiv später die Identifikation von Bildern möglich, die vorher keiner zuzuordnen wusste“, berichtet der ehemalige Lehrer.

Er recherchierte seit seiner Pensionierung zum Thema Paderborner Volksschulen. Vor zehn Jahren eröffnete er mit gesammelten Informationen, Gegenständen und Zeichnungen das Schulmuseum Paderborn. Als Quellen dienten ihm unter anderem Schulakten, Schulchroniken, Examensarbeiten, das Stadtarchiv und der Verein für Geschichte und Altertumskunde. Das Museum war es dann, das die Herausgeber Dr. Norbert Börste und Dr. Detlef Grothmann auf die Thematik aufmerksam machte und überzeugte, sie in ihre Reihe aufzunehmen. Da die inhaltliche Vorarbeit zum Buch schon durch den Aufbau des Museums erfolgt war, gelang es Theodor Fockele, es etwa innerhalb eines Jahres fertigzustellen. „Eine solch umfangreiche Chronik gab es bislang nicht“, hebt Bonifatus-Verlagsleiter Dr. Michael Ernst hervor.

Nach dem Taschenlexikon „Paderborn von A bis Z“ ist die „Kleine Paderborner Schulgeschichte“ die zweite Publikation der wissenschaftlichen Reihe „Geschichte eingekreist: Westfalen“ im Paderborner Bonifatius-Verlag. Als dritter Band soll die „Militärgeschichte des Paderborner Landes“ erscheinen, die die Armeegeschichte vom frühen Mittelalter bis zur heutigen Bundeswehr abdeckt.


18.05.2012
Impressum | Kontakt
4002