Aktuelle Ausgabe
2012-5

Vorbereitungen zur Kräuterweihe in der Abtei Maria Laach

„Es darf auch Unkraut dabei sein“

Mit moderner Floristik hat die Aufgabe von Albert Keiffenheim nicht viel zu tun. Keine neuartigen Züchtungen oder düngerbehandelten Pflanzen liegen vor ihm. Stattdessen verarbeitet der Maria Laacher Klostergärtner Schafgarbe und Rainfarn für ein sommerliches Gesteck. Die Kräuter hat er gerade erst am Straßenrand abgeschnitten. Am 15. August werden sie in der Klosterkirche Maria Laach gesegnet: bei der traditionellen Kräuterweihe an Mariä Himmelfahrt.

Text und Fotos: 

Benedikt Plesker (KNA) 

Seit etwa 20 Jahren wird im Benediktinerkloster Maria Laach in Rheinland-Pfalz die Kräuterweihe gefeiert. Ein Brauch, der seit dem zehnten Jahrhundert an Mariä Himmelfahrt begangen wird und vor allem auf eine nichtbiblische Legende zurückgeht: „Als die Apostel das Grab der Gottesmutter aufgemacht haben, drangen ihnen wohlriechende Kräuter und Düfte entgegen“, erläutert der Laacher Benediktinerbruder Hilarius die Überlieferung. 

Zusammen mit dieser Legende dürfte auch die Tatsache, dass viele Kräuter im Sommer ihre Blüte tragen, für die Verbindung zwischen Mariä Himmelfahrt und der Kräuterweihe gesorgt haben.

In Maria Laach zieht Floristenmeister Keiffenheim jedes Jahr in der Woche vor dem Marienfest los, um Kräuter zu sammeln. Er findet sie an den Straßenrändern oder auf wilden Ackerflächen. An die weit verbreitete Regel, dass nur sieben Kräuter in dem Strauch zusammengebunden werden dürfen, hält er sich nicht.

Welche Pflanzen er pflückt, hängt auch von ganz persönlichen Vorlieben und pragmatischen Gründen ab: „Arnica nehme ich nicht mehr. Das gibt Ausschlag auf der Haut“, sagt der Eifeler, der seit über 30 Jahren für das Benediktinerkloster arbeitet.

Einer seiner Kollegen könne diese Arbeit wegen seiner Allergien gar nicht machen. Deswegen geht schon seit Jahren Keiffenheim auf Kräutersuche. Die weiße Schafgarbe und der gelbe Rainfarn werden später Farbtupfer neben bräunlichen und grünen Gräsern sein.

Blaudistel und die ein oder andere Blume aus dem Klostergarten liefern wieder einen anderen Farbkontrast.

Zurück in der Klostergärtnerei muss er seinen Arbeitsplatz zunächst regelrecht vor neugierigen Blicken absichern. Denn die Besucher der Abtei möchten meist nicht nur die Kirche besichtigen, sondern auch jeden Winkel der Gärtnerei erkunden. „Wenn das Tor einen Spalt aufsteht, dann strömen die Besucher sofort hier herein“, sagt Keiffenheim, bevor er schon dem nächsten Ausflügler erklärt, dass er von der Gärtnerei aus kein Foto von dem Gotteshaus machen könne. 

Dabei ist der Blick hinter den Gewächshäusern auf die romanische Klosterkirche exzellent: Hier hat der Florist stets die Abteitürme im Blick. Für Besucher aber bleibt dieser Teil der Gärtnerei geschlossen, um die Arbeit der zwölf Mitarbeiter nicht zu stören.

Unbeeindruckt von den Besuchermassen, die sich am späten Vormittag auf dem Gelände bewegen, arbeitet Keiffenheim weiter. Auch wenn er keine Rosen oder ähnlich vollblütige Blumen, sondern schlichte Naturkräuter verarbeitet, müssen für den Floristenmeister die handwerklichen Grundsätze gewahrt bleiben: „Ob Folie, Draht oder andere Hilfsmittel – in der Floristik darf man alles verwenden, so lange man es nachher nicht sieht“, sagt der Blumenfreund. Und so kontrolliert er immer wieder, ob der Kräuterstrauß auch schön rund und zu allen Seiten gleichmäßig abgeschlossen ist.

Letzte Verzierungen für das üppige Kräutergesteck kommen aus dem Kreuzgarten des Klosters. Von allen Seiten von Mauern umschlossen, wuchert dort die Pflanzenwelt ungestört vor sich hin. „Es darf auch mal ein bisschen Unkraut dabei sein oder so aussehen, als wenn der liebe Gott vergessen hätte, hier vorbeizugehen“, erzählt Bruder Hilarius, der mit seinen 75 Jahren noch immer in der Klostergärtnerei zur Hand geht. 

Zwischen uralten Gedenksteinen sucht er nach passenden Kräutern im Klostergarten. Im Gottesdienst werden diese dann genauso gesegnet wie die mitgebrachten Büschel der Gläubigen.

Für die meisten Kirchgänger haben diese Kräuter nicht nur an Mariä Himmelfahrt ihre Aufgabe. Viele bewahren den gesegneten Strauß das ganze Jahr auf, so auch die Benediktiner: „Bis zum nächsten Jahr wird unser Strauß vor einem Madonnenbild im Kloster stehen“, sagt Keiffenheim. Zur Verehrung der Gottesmutter, die in alten Gebeten als „Blume des Feldes“ oder „Lilie der Täler“ gepriesen wird, bleiben die Kräuter also erhalten. 

Bis im nächsten Sommer wieder neue Kräuter am Straßenrand von Maria Laach blühen und der Klostergärtner aufs Neue loszieht, um Material für sein besonderes Gesteck zu sammeln.


04.02.2012
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