Die Gemeinde Herz-Jesu in Halle erinnert sich an ein spannendes Jahrhundert
100 Jahre „in Gebrauch“
Halle/Westfalen. Ihr Name ist der Gemeinde ein Begriff und ihr Andenken in der Kirche allgegenwärtig: Gräfin Julia von Korff-Schmising Kerssenbrock war die Stifterin der Kirche Herz-Jesu in Halle. 100 Jahre nach Fertigstellung des Gotteshauses an der Bismarckstraße möchte die Gemeinde nun im Jubiläumsjahr erneut an die Gräfin und die wechselvolle Baugeschichte erinnern.
von Ruth Lakenbrink
Zu diesem Zweck hat Pfarrer Josef Dieste gemeinsam mit dem Pfarrgemeinderat ein abwechselungsreiches Programm zusammengestellt. Das ganze Jahr hindurch wird es verschiedene Veranstaltungen, Konzerte, Gottesdienste, Thementage, Vorträge und einen Tag der offenen Tür geben. Bereits am kommenden Dienstag, 10. Februar, wird Pfarrer Dieste einen Vortrag zum Thema „... über den Haller Kirchturm hinaus! – 100 Jahre Kirchengeschichte“ halten. Den Höhepunkt der Veranstaltungen bildet das Festhochamt mit Weihbischof Matthias König am Sonntag, 15. November.
Die Geschichte der Gemeinde Herz-Jesu ist vor allem durch die Diaspora-Situation geprägt. Nur wenige Familien im Altkreis Halle blieben nach der Reformation katholisch. Um 1860 wurden gerade einmal 60 Katholiken in Halle und Werther gezählt. Die Wege zur Kirche in Stockkämpen oder zur Schlosskapelle in Tatenhausen waren weit und so wurde der Wunsch der Katholiken vor Ort nach einer eigenen Kirche immer größer. Provisorisch stellte die Familie Bökenförde in ihrem Haus zwei Räume für Gottesdienste zur Verfügung. Doch erst durch eine großzügige Spende der Gräfin Julia von Korff-Schmising Kerssenbrockin Höhe von 60000 Kronen konnte das Vorhaben schließlich in die Tat umgesetzt werden.
Nach einigen Schwierigkeiten, ein passendes Grundstück zu finden, wurde 1908 schließlich mit dem Bau nach den Plänen von Diözesanbaumeister Arnold Güldenpfennig begonnen. Die Grundsteinlegung war am 19. Juli 1908 und nur gut ein Jahr später, am 14. November 1909, wurde die Kirche „in Gebrauch genommen“, wie das „Haller Kreisblatt“ damals schrieb. Denn Pfarrer Dornseifer aus Bünde benedizierte die Kirche damals lediglich. Die eigentliche Weihe sollte später erfolgen. Ein Vorhaben, das bis zum heutigen Tag nicht in die Tat umgesetzt wurde. „Aber alle Altäre, die später in die Kirche gekommen sind, wurden geweiht“, berichtet Pfarrer Dieste schmunzelnd.
Den Tag, als die Missionskirche „in Gebrauch“ genommen wurde, erlebte die Stifterin selbst nicht mehr. Die Gräfin, älteste Tochter von Clemens August Graf von Schmising-Kerssenbrock und Karoline Freiherrin von Fürstenberg, die 1875 nach Böhmen ausgewandert war, starb 1907. Sie wurde im Mittelschiff der Kirche vor dem Chorraum beigesetzt.
In den vergangenen 100 Jahren ist die Kirche einige Male renoviert und restauriert worden, zuletzt Anfang dieses Jahrtausends. Einschneidend war vor allem im Jahre 1968 die Umgestaltung des Chorraums nach der liturgischen Reform des Zweiten Vatikanischen Konzils von 1962. Damals wurden einige Schmuckstücke des alten Inventars zerstört. Und auch der Grabstein der Gräfin landete zunächst auf dem Schutt, wurde aber noch gerettet. Heute hat er ebenso einen Ehrenplatz in der Kirche wie die Gräfin in der Erinnerung der Gemeinde.







